Montag, 7. November 2011

Jemand anders. Kriminalroman

Bevor ich mit diesem Krimi begann, habe ich mir ehrlich gesagt gar nicht so viele Gedanken um die mehrfach verknotete Kordel auf dem Buchtitel gemacht. Doch bald erfährt der Leser, dass sie ein wichtiges Symbol für das Leben der Hauptfigur Edgar darstellt, der ein Fitness-Studio betreibt. Denn er war, sozusagen in seinem früheren Leben, selbst einmal Pater in einem Franziskaner-Konvikt. Das muss ihm mittlerweile aber erscheinen, als sei das "Jemand anders" gewesen, schließlich ist das Jahre her und er mittlerweile mit Regina zusammen und mehr oder weniger ein erfolgreicher Geschäftsmann. Wären da nur nicht die zwei Todesfälle in seinem Fitnessstudio gewesen - und das ausgerechnet innerhalb der drei Wochen, an die sich Edgar absolut nicht mehr erinnern kann, nachdem er ein starkes Schädel-Hirn-Trauma erlitten hat. Und irgendetwas hatten die Verstorbenen mit seiner Vergangenheit im Konvikt zu tun - nur was?

Ein Kriminalroman, der ganz ohne Polizei und Kommissar auskommt, denn der eigentliche Krimi spielt sich direkt in Edgars Leben ab. Er selbst ist es, der versucht die Indizien und Hinweise so zu verknüpfen, dass er die ausgelöschten Wochen rekonstruieren kann. Die verschlungenen Pfade webt Kabelka so spannend, dass man das Buch bald nicht mehr aus der Hand legen mag, und er macht es dem Leser nicht eben leicht, gleich zu Beginn eines Kapitels zu begreifen, wessen Sicht der Dinge er nun gerade geschildert bekommt. Und dann sind da noch diese ominösen Handy-Aufzeichnungen - wie sehr einem doch das eigene Gedächtnis einen Strich durch die Rechnung machen kann...

Ein toller Kriminalroman im Haymon-Verlag, der sich perfekt für spannungsreiche Lesestunden an immer länger werdenden Abenden eignet und ganz nebenbei geradezu philosophische Passagen bereit hält!

Fazit: 4 Sterne!

Franz Kabelka: Jemand anders. ISBN: 978-3-85218-694-8