Montag, 20. Februar 2012

[Harry Potter-Challenge] Der Orden des Phönix

Die Harry Potter-Challenge habe ich zwar nicht geschafft, aber ich will trotzdem meine Leseeindrücke zu den weiteren Bänden festhalten, denn auch wenn die Challenge-Zeit schon abgelaufen ist, soll mich das nicht davon abhalten, alle Bände erneut zu lesen.

Nun habe ich also den umfangreichsten Wälzer der Septologie abgeschlossen: Harrys fünftes Schuljahr auf Hogwarts und nichts ist mehr so wie es einmal war, die finstere Atmosphäre in der Zaubererwelt hat sich bis in die versteckte Zauberei-Schule ausgebreitet. Doch so sehr Harry mit seinen Visionen aus den Erlebnissen und Gefühlen des Dunklen Lords zu kämpfen hat, so ist es doch eigentlich das Zaubereiministerium, das Angst und Schrecken in das zauberhafte Schloss bringt, personifiziert durch die gruselige Umbridge - eine unfassbar gute Überzeichnung absoluten Gehorsams gegenüber gesetzlichen Anordnungen. Für mich ist Umbridge deshalb so gruselig, weil sie so sehr von der Richtigkeit ihrer Handlungen überzeugt ist, dass sie nicht einmal vor Folter zurückschrecken würde, statt ihr eigenes Tun einmal kritisch zu hinterfragen. Puh, da läuft es einem doch kalt den Rücken hinunter, wie sehr ein bisschen Macht und der unhinterfragte, fehlgeleitete Glaube an Gesetz und Ordnung den Menschen zu abscheulichen Taten verleihen können... Harter Tobak für fünfzehnjährige Schüler! Und so bringen sie ihre Zeit auch eher damit zu, sich einfach über diese dusselige Kuh in Rosa zu ärgern, sie bald zu fürchten, und doch irgendwie Normalität zu suchen.

Mit fünfzehn, ja, da ist die Welt ohnehin nicht leicht. Und Harry fühlt sich von jedem falsch behandelt und lässt das seine Mitmenschen so richtig spüren. Manchmal möchte man ihn einfach nur packen und schütteln, wenn er wieder seine Wut an anderen auslässt, die gar nichts dafür können. Doch wie soll er, der sich eigentlich unbeschwert seiner ersten Verliebtheit widmen sollte und dessen größte Sorge seine ZAGs sein sollten, das auch alles verkraften, was da auf ihn einströmt und ihm nicht erklärt wird? Rowling hat ihren Helden mit beeindruckendem Feingespür beschrieben und mir gefällt, dass er Dumbledores Tun extrem kritisch hinterfragt. Noch mehr gefällt mir Dumbledores lange, gefühlvolle und tief bewegende Erklärung des Ganzen am Ende des Schuljahres. Der Wunsch der Älteren, die Jugend vor Schlechtem zu bewahren, die Unterschätzung der Jugend, die viel mehr Wahrheiten verträgt, als man ihr zumuten möchte, und die Ich-Bezogenheit der Jugend, die sich manchmal auch einfach unverstanden fühlen will.

Ein für mich unfassbar einfühlsamer Band, der seinen besonderen Zauber vielleicht auch erst mit diesem Abstand von mehreren Jahren preis geben kann, wenn man die Dinge aus einer anderen Perspektive betrachtet. Und abermals machte mich Harrys Fund des Zauberspiegels von Sirius ganz am Ende des Bandes so unglaublich traurig. Hätte er ihn doch bloß früher entdeckt, es wäre so vieles anders gelaufen... doch so wird Sirius zum tragischen Helden, den ich gern weiterhin an Harrys Seite gewusst hätte. Aber Rowling weiß, weshalb sie ihren Spannungsbogen genau so und nicht anders aufgebaut hat und am Ende des Buches erfährt Harry, was Dumbledore so lange vor ihm geheim halten wollte: Am Ende des Kampfes zwischen Gut und Böse muss ein Mord stehen. Entweder wird Harry den Dunklen Lord töten, oder sterben - und damit soll man als Fünfzehnjähriger mal so eben klar kommen, nachdem man plötzlich und gewissermaßen mitverschuldet sein letztes Stück geliebte Familie verloren hat... Für mich einer der bewegensten Bände der Potter-Reihe!

Joanne K. Rowling: Harry Potter und der Orden des Phönix. ISBN: 978-3-551-55555-9

Kommentare:

momo hat gesagt…

Schöne, wenn auch jetzt natürlich erwachsene Sicht, auf einen wirklich genialen Teil der Potter Reihe...
Ich mochte den teil auch besonders gerne, ich finde hier merkt man wirklich, dass die Reihe soviel mehr ist/sein kann "als nur" Jugendliteratur. Aber das macht ja einen guten Roman (aus meiner Sicht) aus, dass man mit ihm wachsen kann.

Kalliope hat gesagt…

Danke für die lobenden Worte! :-) Ja, ich muss auch sagen, dass ich sehr erstaunt bin, wie viel anders dieser Band nun beim Re-Read auf mich gewirkt hat...wenn ich das so vergleiche, als der Band ursprünglich erschien, war ich zwar auch schon 18, aber jetzt, acht Jahre später, ist es, als hätte ich ein neues Buch gelesen. Es ist echt der Wahnsinn, wie viele Erzählstränge und -ebenen Rowling in ihre Reihe gepackt hat. Und ich glaube, damals hat der Band auch ganz anders auf mich gewirkt, weil ich einfach so wahnsinnig gespannt war, wie die Geschichte weiter geht und mich zwar über all die Nebenstränge auch gefreut, aber eben doch hauptsächlich den Roten Faden verfolgt habe (verstärkt dadurch, dass ich den Band damals auf Englisch gelesen hatte, um ihn früher in die Finger zu bekommen ^^).