Samstag, 30. April 2011

31 Tage, 31 Bücher - Teil 2

Ich hatte es ja schon einmal angekündigt, die "31 Tage, 31 Bücher" gehen in die zweite Runde. Ihr könnt die betrefflichen Fragen bereits auf der Stöckchen-Seite nachlesen. Ab Mai gibt es hier in etwa alle zwei Tage eine neue Rezension, beinahe nach dem Zufallsprinzip - denn die Fragen des Bücher-Stöckchens ermöglichen ja einen ganz eigenen Einblick in das Bücherregal.

Um so mehr freue ich mich, dass dieser Blick zugleich auch in das Bücherregal meiner lieben Freundin Momo geworfen wird, da wir dieses Stöckchen gemeinsam beantworten wollen. Ihre Beiträge werde ich hier jeweils auch verlinken und bin schon sehr gespannt, welche Schätze wir bei ihr entdecken dürfen.

Die eigentliche "Welle" des Bücher-Stöckchens ist zwar schon durch einen großen Teil der mir bekannten Bücher-Blogs gerauscht, aber vielleicht finden sich unter unseren LeserInnen ja doch noch Interessenten, die sich an dieser Runde ebenfalls beteiligen möchten? Wenn ja, einfach melden, dann verlinken wir auch zu euren Beiträgen.

Nachtrag
Hier sind all meine beantworteten Beiträge in der Übersicht:

[Zitate] Naturweisheiten

"Ist schon komisch mit der Natur", sagte er nachdenklich. "Nimm bloß mal diesen Jellico. Ist wie Ginseng, ist aber keiner. Wächst in derselben Art von Boden und sieht ganz ähnlich aus. Alles in der Natur hat einen Zwilling, und Jellico ist der Zwilling von Ginseng. Ich weiß nicht, aus welchem Grund. Vielleicht zum Schutz. Wer den großen Schöpfungsplan gemacht hat, hat ihn so aussehen lassen, damit manche Leute ihn ausgraben und den Ginseng in Ruhe lassen, sodass er nicht ausstirbt. So ähnlich wie Eisenpyrit, weißt du, Narrengold. Man könnte aus alldem eine Lektion lernen, wenn man wollte."
(Gay 2010: 111)
William Gay: Ruhe nirgends. ISBN: 978-3-7160-2635-9

Freitag, 29. April 2011

Briefe in die chinesische Vergangenheit

Kao-Tai ist ein sehr intelligenter Mann. Gemeinsam mit seinem Freund gelingt es ihm, eine Zeitmaschine zu bauen und er plant eine große Reise: Aus seiner Heimat, dem China im 10. Jahrhundert, wird er 1.000 Jahre in die Zukunft reisen und sehen, was aus seiner Kultur geworden ist. Für neun Monate will er in der Zukunft bleiben, sie erforschen und darüber seinen Freund informieren, indem er ihm Briefe schreibt, die durch ein Zeitportal zu ihm in die Vergangenheit transportiert werden.
Und der Plan scheint aufzugehen: Kao-Tai findet sich wieder in einer ihm völlig fremden Welt, alles um ihn herum ist laut, voller Menschen und so unbegreiflich... Es dauert einige Zeit, bis Kao-Tai erkennt: Er ist nicht nur in die Zukunft gereist, sondern hat durch die nicht einkalkulierte Erdrotation auch einen geographischen Sprung gemacht, so dass er sich mitten im München zur Zeit kurz vor dem Mauerfall wieder findet. Kao-Tai lernt somit nicht nur eine neue Zeit, sondern auch eine neue Kultur kennen, nämlich die der Großnasen.
Klar, dass das nicht ohne Konflikte und Reibereien abläuft - und es ist einfach zu herrlich, wenn Kao-Tai darüber sinniert, wie man unter den Großnasen wohl Männlein und Weiblein unterscheiden könne, ob farbige Regenschirme anzeigen, dass eine Frau ledig ist, ob die Menschen in dieser wundersamen Großstadt Min-chen überhaupt schlafen, und wie er nach seiner Rückkehr in seine Heimat noch ein schönes Fest feiern soll ohne diesen schäumenden Traubenwein namens Mo-te Shang-dong.
Die Irrungen und Verwirrungen lassen den Leser dabei sehr häufig laut auflachen und dem Autoren Herbert Rosendorfer gelingt es in den Briefen Kao-Tais an seinen Freund der heutigen westlichen Zivilisation gehörig den Spiegel vorzuhalten. Ganz nebenbei lernt man auch etwas über die chinesische Geschichte und Kultur des 10. Jahrhunderts. Ein absolut spannender und amüsanter Roman, der soziologische Einblicke aus der Froschperspektive bereit hält.

Fazit: 5 Sterne!

Herbert Rosendorfer: Briefe in die chinesische Vergangenheit. ISBN: 978-3-423-21173-4

[Freitags-Füller] #3

1. Au weia, der Mai steht schon ins Haus, am Montag beginnen die Vorlesungen des Sommersemesters und überhaupt - wo ist eigentlich die Zeit hin?

2. Ich ärgere mich derzeit über einen Online-Gartenversand, der mich schon ewig auf meine Bestellung für unsere Balkonbegrünung warten lässt - Kräuter, Gemüse und Blumen.

3. Im Grunde genommen ist es egal wann morgens der Wecker klingelt - ich möchte noch liegen bleiben, vor mich hin dösen oder gemütlich ins Bett gekuschelt lesen.

4. Fisch mit Lauchreis, dieses Rezept gehört für mich zum Sommer.

5. Ich war im Kino zuletzt im ersten Teil der Verfilmung des letzten Harry Potter-Bandes (wow, das ist schon Monate her!).

6. Dass die Prinzen-Hochzeit sämtliche Nachrichten ziert (und dabei sogar eher genannt wird als verheerende Auswirkungen von Tornados in Amerika - bis hin zu AKW-Störfällen!), finde ich ganz schön dumm.

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf gemütliches Lesen auf dem Sofa, morgen habe ich nichts geplant und Sonntag möchte ich Ruhe und Kraft tanken, bevor das Semester wieder startet. (Stichwort: Genesung)

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende!

Und was erwartet euch am Wochenende? Postet es doch einfach hier oder greift euch selbst den aktuellen Freitags-Füller.

Donnerstag, 28. April 2011

Der kleine Denkverführer

Wir leben in einem Land, in dem uns die Freiheit unserer Meinung per Grundgesetz sicher ist. Wir gehören einer Spezies an, die ihren Verstand und das damit einher gehende Denken als wesentliches Unterscheidungskriterium von anderen Tier-Arten betrachtet. Die Gedanken sind frei - aber sind sie auch schlüssig? Sind unsere Moralvorstellungen das auch? Wie sehr beeinflussen gesellschaftliche Werte und moralische Erziehung unser Denken und Verhalten? Wie sehr hängen unsere Einschätzungen diverser Situationen davon ab, ob uns nahestehende Personen betroffen sind, oder "nur" fremde?
All das stellt dieses kleine Büchlein spielerisch auf den Prüfstand. Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, die Moralvorstellungen des Lesers vorzuführen und zu kritisieren, sondern - wie der Titel es bereits ausdrückt - ihn zum Denken zu verführen. Hängen wir unterschiedlichen moralischen Grundsätzen an, die einander widersprechen? Lassen sich diese eben doch miteinander in Einklang bringen? Warum schätzen wir verschiedene Situationen unterschiedlich ein? In elf Aufgaben plus einem kleinen Philosophie-Rätsel kann sich der Leser selbst testen. Das sind nun nicht schnell ausgefüllte Persönlichkeitstests, wie man sie gern in Frauenzeitschriften finden kann, sondern Aufgaben, die es durchaus in sich haben. An einigen Stellen stieß mir schon die Fragestellung negativ auf und ich wollte die Frage nicht so pauschal beantworten, wie es mir die Antwortmöglichkeiten suggerierten - und da war er schon: Der erste Denkanstoß...
Die elf philosophischen Spiele werden jeweils am Ende des Kapitels näher erläutert. Es gibt kein Richtig und Falsch, es gibt nur unterschiedliche Tendenzen und Hinweise, die teilweise auch in philosophische Lehren eingebettet sind - mein persönliches Manko an dieser Stelle: Diese philosophischen Hintergründe griffen mir zu kurz. Ansonsten aber ein Büchlein, das durch seine Motivation zum Mitmachen Freude bereitet und in der Tat enorme Aktivität der grauen Zellen erfordert.
Was mich am stärksten zum Grübeln brachte: Ist es angebracht, die eigenen moralischen Maßstäbe ungeachtet ferner Kulturen zu universalisieren? Was sagt ihr dazu?

Fazit: 4 Sterne!

Julian Baggini; Jeremy Stangroom: Der kleine Denkverführer. Philosophische Spiele. ISBN: 978-3-492-25487-8

Büchersendungen

In der letzten Zeit hatte ich ziemlich viel Glück und so darf ich mich die Tage auf vier Büchersendungen freuen. Das erste Buch ist schon da: Ruhe nirgends von Gay William. Mit diesem Buch ist Petra von Seitenweise... leider überhaupt nicht warm geworden, so dass sie es im Tausch gegen eine Gastrezension auf die Reise geschickt hat. Unter den verschiedenen Freiwilligen fiel das Los auf mich, juhu! Seit gestern darf ich in diesem Roman schmökern und bin sehr gespannt...
Der unverhoffte Büchersegen kommt mir derzeit sehr gelegen, da mich ein blöder Virus kurz vor Ende der Prüfungszeit lahm gelegt und mir meine Ärztin Bettruhe verschrieben hat. Das finde ich nicht schön, weil ich so nicht nur meine letzte Prüfung verpasst habe, sondern wohl auch auf meine Teilnahme an einem internationalen Studententreffen verzichten muss, an dessen Organisation ich mitgewirkt habe. Aber wenigstens kann ich mich über ein paar neue Bücher freuen und mir mit ihnen die Zeit vertreiben. Und es ist nun jeden Tag spannend, ob der Postbote mit einer weiteren Büchersendung klingeln wird. ;-) Ich darf mich nämlich noch auf einen Roman von Vorablesen, meinen Gewinn bei der Literaturfee und ein Tauschbuch von der Julia von Bücherquotes freuen.

Dienstag, 26. April 2011

Rollende Steine

Susanne ist ein ganz normales Mädchen an einer Mädchenschule - möchte man meinen. Aber ein paar Tatsachen scheinen dem zu widersprechen: Wenn Susanne nicht gesehen werden möchte, vergessen die anderen Anwesenden im Raum einfach, dass Susanne auch noch da ist. Und manchmal hat Susanne Erinnerungen, die ihr viel eher wie Vorahnungen erscheinen. Das liegt daran, dass sie eben doch kein ganz normales Mädchen ist. Sie ist nämlich die Enkelin von TOD. Und nachdem TOD anscheinend in eine tiefe Sinnkrise gestürzt ist und darüber seine Pflicht vernachlässigt, ist es an Susanne die Sense zu schwingen und all die Seelen auf ihrem letzten Weg zu begleiten. Vollkommen verwirrt nimmt Susanne die Aufgabe wahr - in Begleitung des Rattentods und eines Raben, der zu ihr sprechen und Rattentods Quiek-en übersetzen kann. Bald stellt sie jedoch die Pflicht ihres Großvaters in Frage, ebenso wie die Tatsache, dass er ihr anscheinend widerstandslos nachkommt. Wieso sollte zum Beispiel ein junger, talentierter Barde mitten aus dem Leben gerissen werden? Susanne beginnt, lenkend einzugreifen.

Die Einwohner von Ankh-Morpork sind derweil von einer ganz neuen Art der Musik infiziert. Der Barde Imp Y Celin hat gemeinsam mit einem Zwergen und einem Troll eine Band gegründet. Dabei lenkt ihn eine geheimnisvolle Kraft, die ihn "Musik Mit Steinen Drin" spielen lässt. Diese Musik verbreitet sich schnell über den namenlosen Kontinent auf der Scheibenwelt und Imp und seine Bandkollegen gehen auf eine große Tour. Seltsam nur, dass Imp - oder Buddy, wie er sich mittlerweile nennt - scheinbar nur noch durch seine ständig surrende Gitarre lebt.

Die Musik zieht alle in ihren Bann, sogar die Zauberer an der Unsichtbaren Universität, inklusive des Bibliothekars (im Übrigen ein Schimpanse). Erzkanzler Mustrum Ridcully möchte dem seltsamen Treiben jedoch ein Ende bereiten. Während Ridcully TOD zu diesem Phänomen befragen möchte, wählt die Musikergilde einen anderen Weg: Die Band mit Steinen drin ist nämlich kein Mitglied der Gilde, weshalb zwei Assassinen auf Buddy und seine Kollegen gehetzt werden.

Die Geschichte, die die Lebenskultur der "Musik Mit Steinen Drin" gehörig auf die Schippe nimmt, beweist ihren Sprach-Witz vor allem im Originaltitel Soul Music und der Music With Rocks In, wenn man bedenkt, dass Buddy bald nur noch durch seine Gitarre lebt, und rock nicht nur auf den Rock'n'Roll anspielt, sondern auch "schaukeln" heißt. Und dann ist da ja auch immer noch TODs vermeintliche Sinnkrise, hinter der sehr viel mehr steckt als die fehlende Lust auf seine Pflichterfüllung. Es erscheint zwar häufig, als würde TOD nichts verstehen, weil er immer alles wörtlich nimmt, aber er versteht so viel mehr, als alle Beteiligten immer denken...

Fazit: 5 Sterne!

Terry Pratchett: Rollende Steine. Ein Scheibenwelt-Roman. ISBN: 978-3-4424-3049-9

[Nostalgie&Gegenwart] Der kleine Vampir auf dem Bauernhof

Rüdigers Sarg zum Bauernhof in Klein-Oldenbüttel zu bringen, ist Anton und dem kleinen Vampir in einer anstrengenden Nacht gelungen. Allerdings weiß Anton nicht, wo Rüdiger seinen Sarg versteckt hat, und so lange er seinen besten Freund nicht besuchen kann, findet er den Urlaub mit seinen Eltern ganz schön doof. Eigentlich ist er seiner Meinung nach ja ohnehin schon viel zu alt für einen Urlaub auf dem Bauernhof, doch seine Eltern hielten es für eine gelungene Abwechslung von seinem Leben in der Großstadt - und seinem alleinigen Interesse für Vampirgeschichten. Nun muss Anton reiten lernen und an Schnitzeljagden teilnehmen - seinen Missmut darüber zu verbergen, versucht er gar nicht erst, sondern schnoddert gehörig herum und beschwert sich über diesen langweiligen Urlaub in der stinkenden Luft. Und mit den Kindern der Bäuerin kann er auch nichts anfangen: Hermann spielt nur mit Rittern und Johanna - tja, was soll man sagen. Johanna ist eben nicht Anna...
Natürlich gelingt es Anton schließlich, Rüdigers Unterschlupf zu finden. Dem kleinen Vampir bekommt der Urlaub auf dem Land jedoch gar nicht gut, erweist sich seine Angst vor der Dunkelheit doch als enormes Handicap, weshalb Rüdiger kurz vor dem (gefühlten) Hungertod steht. Ganz nach Bester Freund-Manier will ihm Anton natürlich bei der Nahrungssuche behilflich sein, obwohl ihn immer noch ein kalter Schauer über den Rücken läuft, wenn er an die Essgewohnheiten der Vampire denkt. Doch dann geht alles gründlich schief: Rüdiger verpasst erneut seine tägliche Mahlzeit und schiebt Anton die Schuld in die Schuhe. Das lässt der natürlich nicht auf sich sitzen und es kommt zum großen Krach! Dieses Mal sieht es wirklich so aus, als seien Rüdiger und Anton die längste Zeit Freunde gewesen. Und ausgerechnet in diesen Schlamassel tritt der Dorfarzt Stöbermann, der der Bäuerin bei der Suche nach einem Eierdieb behilflich sein will - und dieser gruselig auftretende Mann trägt seinen Namen ganz zurecht. Von Johanna erfährt Anton, dass Herr Stöbermann große Nachtfalter sammelt... Sollte Anton den kleinen Vampir warnen?

Eine gelungene Fortsetzung der Geschichten um Anton und Rüdiger (und natürlich Anna), die ganz nebenbei auch immer mehr den Wert der Freundschaft unterstreicht.

Fazit: 4 Sterne!

Angela Sommer-Bodenburg: Der kleine Vampir auf dem Bauernhof. Der kleine Vampir Band 4. ISBN: 978-3-499-20325-1

Montag, 25. April 2011

Ich und die anderen

Andrew Gage ist nicht wie alle anderen: Er leidet unter einer multiplen Persönlichkeitsstörung, hat sie aber erstaunlich gut im Griff. Gedanklich hat Andrew ein großes Haus eingerichtet, in dem alle seine abgespaltenen Persönlichkeiten ihr eigenes Zimmer haben. Auf der Empore tümmeln sich so manches Mal mehrere von ihnen und rufen durchaus auch einmal durcheinander, aber Andrew hat alles im Griff. Jeder bekommt zu Beginn des Tages seine Körperzeit - nur nicht zu viel, denn die Oberhand behält Andrew. Wichtig ist für ihn vor allem eins: Eine verlässliche Routine und bloß keinen Alkohol trinken - sonst droht alles aus dem Gleichgewicht zu geraten.
Doch ausgerechnet jetzt, da er gerade sein Gleichgewicht gefunden hat, stellt seine Chefin Penny ein. Penny ist selbst multipel, nur weiß sie es noch nicht. Andrews Chefin hofft, dass er sich der von Blackouts geplagten Penny annimmt, ihr dabei hilft, ebenfalls ein imaginäres Haus für ihre Persönlichkeiten einzurichten. Dazu müsste Penny aber (an)erkennen, was mit ihr los ist...

Ein einfühlsamer und wahnsinnig spannender Roman über die Annahme des eigenen Schicksals, über die verworrenen Pfade zweier Multipler, die eigentlich nur eins wollen: Normalität erreichen. Die Charaktere sind wahnsinnig beeindruckend beschrieben, die Handlung fesselt von Beginn an - und überrascht mit einem wohldurchdachten, nervenaufreibend spannenden Ende, das einen das Buch spätestens während der letzten 100 Seiten nicht mehr aus der Hand legen lässt!

Fazit: 5 Sterne!

Matt Ruff: Ich und die anderen. ISBN: 978-3-423-20890-1

[Zitate] Intelligentes Leben

"Er kannte sie. Es waren keine Lebensformen, sondern ... Nichtlebensformen. Sie beobachteten die Funktionsweise des Universums, waren seine Protokollführer und Revisoren. Sie sorgten dafür, dass sich Dinge drehten und Felsen fielen.
Und sie glaubten daran, dass etwas nur existieren konnte, wenn es eine Position in Raum und Zeit hatte. Die Menschheit bereitete ihnen einen scheußlichen Schock. Sie bestand praktisch aus Dingen, die keine Position in Raum und Zeit hatten, zum Beispiel Fantasie, Mitgefühl, Hoffnung, Geschichte und Glaube. Nahm man dies alles weg, so blieb nur ein Affe übrig, der ziemlich oft von den Bäumen fiel.
Intelligentes Leben war eine Anomalie. Es störte bei der Verwaltungsarbeit. Die Revisoren verabscheuten so etwas. Gelegentlich versuchten sie, ein wenig Ordnung zu schaffen."
(Pratchett 2004: 11)
Terry Pratchett: Der Zeitdieb. Ein Scheibenwelt-Roman. ISBN: 978-3-442-45739-7

[Offtopic] Mein Tag des Buches...

Während ich auf vielen Blogs von der Teilnahme an einem Lesemarathon zum Tag des Buches gelesen habe (Respekt an dieser Stelle, es wurden häufig mehrere hundert Seiten an diesem Tag gelesen!), sah mein Tag des Buches ganz anders aus: Fernab vom Schreibtisch, auf dem sich bis Donnerstag noch die Lernunterlagen für die letzte Klausur dieses Prüfungsblockes türmen, fernab von Arbeitsaufträgen meiner HiWi-Stelle, aber auch fernab von weiteren Büchern, die ich in meiner Freizeit natürlich gern lese, haben wir uns für einen Ausflug in die Alpen entschieden und nach einem gemütlichen und botanisch aufmerksamen Aufstieg auf 1.269 m (gestartet sind wir bei 600 m ü. NN) die Seele baumeln lassen. Ein herrlicher Ausflug, der nicht zuletzt angesichts der derzeitigen Prüfungsbelastung eine wahre Wohltat war!

Freitag, 22. April 2011

[Nostalgie&Gegenwart] Der kleine Vampir verreist

Im dritten Band der Reihe "Der kleine Vampir" steht die Freundschaft von Anton und Rüdiger mal wieder auf der Probe: Dieses Mal möchte Anton, dass ihm der kleine Vampir einen Gefallen tut - schließlich hat er doch vor Kurzem auch dafür gesorgt, dass Rüdiger während seines Gruftverbots ein Dach über dem Sarg hat.
Antons Eltern haben eine Woche Urlaub auf einem Bauernhof geplant. Dort soll die Familie mal so richtig ausspannen können. Und Anton soll um Himmels Willen endlich mal auf andere Gedanken kommen und seine Vampirgeschichten vergessen. Da hat Antons Mama jedoch die Rechnung nicht mit seinem Einfallsreichtum gemacht. Kurzerhand beschließt er nämlich, dass Rüdiger mitkommen muss - nach Klein-Oldenbüttel, wo ihm doch sonst nur die Decke auf den Kopf fällt. Da trifft es sich ganz gut, dass Rüdiger sich mit Jörg dem Aufbrausenden angelegt hat. Der soll bald in der Gruft Schlotterstein zu Besuch kommen und Rüdiger sollte ihm lieber nicht zu nahe kommen... Sehr zur Freude Antons beschließt Rüdiger also, seinen Freund zu begleiten. Die Frage ist nur: Wie bringt man einen Sarg von Hamburg nach Klein-Oldenbüttel?
Zuvor steht aber noch die Geburtstagsfeier von Rüdigers kleiner Schwester Anna an. Bei Anna beginnt in diesem Band übrigens das Wachstum ihrer Vampirzähne, was Anton so gar nicht behagen will...

Auch der dritte Band der Reihe verspricht kurzweiliges Lesevergnügen. Die Charaktere sind dem Leser mittlerweile gut bekannt und ans Herz gewachsen - und das wohl nicht nur dem Leser. Die Illustrationen treffen die Geschichten immer besser und sprechen schon beinahe für sich allein. Ideal für Kinder, wenn ihnen diese Bände vorgelesen werden.

Fazit: 4 Sterne!

Angela Sommer-Bodenburg: Der kleine Vampir verreist. Der kleine Vampir Band 3. ISBN: 978-3-499-20297-2

Osterwichteln

Vor einiger Zeit kündigte ich an, dass es bei der Bibliophilin ein Osterwichteln gibt. Gestern war es soweit und 16 aufgeregte Teilnehmerinnen haben an vielen verschiedenen Orten ihre Päckchen geöffnet. Schon in den Tagen zuvor stieg die Aufregung, als überall die Päckchen mit dem Vermerk "Osterwichtelchen" eintrudelten und die Kommentare bei Bibliophilin überschlugen sich. Doch wir hielten tapfer durch und öffneten unsere Präsente gemeinsam erst zum Beginn des Osterfestes am Gründonnerstag. Hier gibt es eine wunderschöne Übersicht über all die liebevoll geschnürten Präsente. Bisher haben sich alle über ihr Wichtelchen gefreut. Mein Wichtelkind hat jedoch noch nichts verlauten lassen, da sie derzeit im Urlaub ist... ich bin also noch gespannt, ob ihr auch ihr Präsent gefällt.

Mir hat Buchmenschlein mit einem wohlduftenden Päckchen eine riesige Freude gemacht, in dem sich ein ganz besonders schönes Exemplar von Michael Endes "Momo" befand! Dieses Buch habe ich als Kind oft gelesen, aber nie selbst eine Ausgabe davon gehabt - endlich steht es auch in meinem Regal, und das mit einem so schönen Cover, dass ich es eigentlich quer ins Regal stellen sollte. Und mit dem beigefügten Lavendelbad steht einem erholsamen Abend in der Wanne mit diesem schönen Buch nichts mehr im Wege. :-) Vielen Dank!

[Freitags-Füller] #2

1. Auf meiner To Do Liste steht derzeit ganz schön viel, angefangen bei der Vorbereitung für die letzte Klausur des Semesters, über meine HiWi-Stunden, bis hin zur Anfertigung meines Praktikumsberichtes - und das ist nur der Teil von Uni und Arbeit...

2. Trotzdem gönne ich mir täglich mindestens ein Stündchen Zeit in der Sonne auf dem Balkon mit einem schönen Buch, da ist mir die Pflicht für eine kurze Zeit mal egal.

3. Unbedingt zu Ostern gehört für mich: Gute Frage... Kann ich so gar nicht sagen. Aber eines schon: Ausschlafen. Wenigstens ein bisschen das Gefühl von freien Tagen bekommen.

4. Mal wieder zu meiner Familie fahren werde ich leider sehr lange nicht, jedenfalls nicht in der nächsten Zeit.

5. Für mich war die Woche sehr schön durch viele kleine und große Freuden im Alltag.

6. Ist denn schon wieder Weihnachten Ostern?! Das Jahr fing doch erst an...?

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf einen gemütlichen Abend mit meinem Lieblingsmenschen, morgen habe ich haben wir eine Wanderung in den Alpen gemeinsam mit guten Freunden geplant und Sonntag möchte ich nach langem Ausschlafen ein Weißwurstfrühstück genießen.

Ich wünsche euch ein schönes Oster-Wochenende!

Und was erwartet euch am Wochenende? Postet es doch einfach hier oder greift euch selbst den aktuellen Freitags-Füller.

Mittwoch, 20. April 2011

[Nostalgie&Gegenwart] Der kleine Vampir zieht um

Nachdem Anton und Rüdiger im ersten Band Freundschaft geschlossen haben, steht diese Freundschaft im zweiten Band der Reihe gleich auf einer harten Probe: Rüdigers Tante Dorothee hat herausgefunden, dass Rüdiger regelmäßigen Kontakt zu einem Menschen pflegt. Das trägt sie dem Familienrat vor, der Rüdiger zur Strafe Gruftverbot auferlegt. Wo soll der kleine Vampir denn nun hin? Da fällt Rüdiger natürlich nur eine Möglichkeit ein: Er muss ich bei Anton verstecken. Gemeinsam mit seinem pubertierenden Bruder Lumpi schleppt er also seinen Sarg zu Antons Haus. Anton ist von der Idee aber gar nicht angetan, denn wo soll man bitte einen Sarg verstecken, der einen stechenden Geruch nach Moder ausströmt? Noch viel schlimmer ist aber, dass Antons Eltern ihren Keller alle zwei Wochen aufräumen - da muss diese große, stinkende Kiste doch auffallen. Und schon beginnt der Ärger für Anton: Den Sarg verstecken, seine Eltern vom Keller fernhalten - und bei all dem um Himmels willen bloß nicht Tante Dorotee in die Arme laufen! Dass er sich auch ein bisschen in Rüdigers Schwester Anna verliebt hat, macht die Sache natürlich nicht leichter...

Nicht nur ein spannender, amüsanter Lesespaß für Kinder, sondern auch ein nettes Büchlein für ein Stündchen Lesevergnügen für Erwachsene. Die zahlreichen Illustrationen geben dem Buch ein liebevolles Antlitz und dem Leser somit eine schöne Vorstellung von der Handlung und ihren Hauptpersonen.

Fazit: 4 Sterne!

Angela Sommer-Bodenburg: Der kleine Vampir zieht um. Der kleine Vampir Band 2. ISBN: 978-3-499-20245-2

Dienstag, 19. April 2011

Der beste Teil der Menschen

Ist der Schwulenbewegung gedient, wenn ihre Ideale unhinterfragt in einem Brei demokratischer Gleichmacherei neben denen anderer (ehemaliger) Minderheiten dahin dümpeln und unhinterfragt akzeptiert sind? So sieht das zumindest Jean-Michael Leibowitz, Pariser Intellektueller und Geliebter von Elisabeth Levallois.

Können Schwule überhaupt noch ohne Bedenken ihren Alltag leben angesichts der allgegenwärtigen Bedrohung durch das HI-Virus? Das bezweifelt zumindest Dominique Rossi, Kämpfer der politischen Linken, Begründer der ersten Schwulenbewegung in Paris und Kollege von Elisabeth Levallois.

Dürfen Schwule sich von der Gesellschaft unterdrücken lassen, indem sie von der Angst vor AIDS geplagt ihre Vorlieben nicht mehr ausleben? Das fragt sich zumindest William Miller, vom Land stammend, stets gelitten unter seinem gestrengen Vater und enger Freund von Elisabeth Levallois. Und wer ist Elisabeth Levallois? Sie nennt sich selbst “die typische Pariserin, schöne Wohnung, nicht reich, aber erst recht nicht arm, und links, weil ich nicht illusionslos genug bin, um zynisch zu sein.”

Wir befinden uns im Paris der 1980er Jahre. Das Leben von drei außergewöhnlichen und exzentrischen Männern wird aus ihrer Sicht geschildert, sie alle zerren an ihr, sie alle leben in diesem Buch allein durch sie. Und wo bleibt Elisabeth? Sehr viel mehr als ihre Selbsteinschätzung erfahren wir über sehr lange Strecken in diesem Roman kaum. Zwar wirft sie einen wohlgefeilten Blick auf diese drei Männer, der zwischen den Zeilen auch immer einen Einblick in ihr Seelenleben gibt, doch wirklich viel verrät Elisabeth über sich selbst nicht. Vielleicht gibt es auch nicht viel über sie zu wissen, so sehr wie sie sich für diese drei Männer aufopfert: Für Leibowitz, der damit hadert, dass seine Eltern nicht sind wie er, doch dass er so ist wie sie. Für Willie, der so einsam ist, dass er nicht allein sein kann, und doch jeden spüren lässt, dass er nur dazu dient, ihn seine Einsamkeit vergessen zu lassen. Für Doume, der bald nur noch an seine Krankheit denken kann, und nicht mehr durch sein Leben hetzen will, da am Ende nur der Tod auf ihn wartet.

Ein Roman voller Abgründe aus Intrigen, übersteigertem Selbsteifer und Hass. Ein wichtiger Blick auf die rasend schnelle Ausbreitung des HI-Virus und die absolut gegensätzlichen Auffassungen zum Umgang mit ihm. Der schockierende Blick auf eine junge Generation, die AIDS nicht mehr in seiner unbekannten Verheerung kennen gelernt hat und sich nicht unterdrücken lassen will von Forderungen nach safer sex mit dem Ausspruch: “Es gibt keinen Präser gegen den Tod, ich meine, könnte man ja gleich in einer Plastiktüte leben und glauben, man müsse nicht in einem Sarg enden.” Und obwohl sich alles um die Krankheit zu drehen scheint, sind es doch auch so viele weitere Themen, die in diesen atemberaubenden Roman angesprochen werden: Die Schwierigkeit, mit Andersartigem umzugehen, anderer Menschen Eigenheiten zu verstehen, die eigenen Wurzeln zu finden und zu ihnen zu stehen. Die Trauer und Wut, mit denen auf herbe Enttäuschungen reagiert wird. Die Schwierigkeit des Intellektuellen, nach seinen rhetorischen Pirouetten wieder auf den Boden der Tatsachen zurück zu kehren. Und schließlich doch wieder die Frage: Wie mit AIDS umgehen, wie AIDS verstehen? “Wie diese schreckliche Krankheit zu einem Streitobjekt hat werden können, zu einem Hebel intellektueller Erpressung oder einem Vektor für Wahnideen – auf beiden Seiten.”

Und erst ganz Zuletzt erkennt wenigstens einer der Männer, wie es Elisabeth wirklich geht: “Du solltest dich mal ansehen, Liz, du machst dich damit kaputt, Scheibenhonig, du musst ein bisschen auf dich achtgeben, kümmere dich mal um dich selbst…” – Das ist leicht gesagt, wenn einem die Menschen, die einem als einzige nahe stehen, abwechselnd so viel Kummer, und doch auch so viel Freude bereiten…

Dieser Roman versprüht eine bittersüße Melancholie, er fesselt den Leser, und er regt – bei aller Abgedroschenheit dieser Worte – wirklich enorm zum Denken an!

Und was ist nun der beste Teil der Menschen? Dieser Titel sprach mich auf Anhieb an, haben doch Erwartungshaltungen an einen – wie auch immer gearteten – Übermenschen schon in der Geschichte immer wieder zu unnützem Blutvergießen, zu unnützer Unterdrückung geführt. Auch in diesem Roman klingen nihilistische Philosophen wie Nietzsche an, doch das Beste des Menschen, das findet sich ganz wo anders. Wo, das möchte ich nicht vorweg nehmen… Ich kann euch aber verraten, was für Willie der beste Teil vom Huhn ist: Natürlich die Brust.

Fazit: 5 Sterne!

Tristan Garcia: Der beste Teil der Menschen. ISBN: 978-3-627-00170-4

(Diese Rezension erschien zuerst als Gastrezension bei Bibliophilin.)

Teamverstärkung "Wir lesen"

"Wir lesen" ist eine Bücher-Community für Fantasy aller Art. Ein Blog, der mit viel Liebe und Engagement von Soul_of_Dragon und Mondengel ins Leben gerufen wurde und nun tatkräftige Unterstützung weiterer Rezensenten erhält - und dabei darf auch ich mitwirken. Ich freue mich sehr.

Montag, 18. April 2011

[Zitate] Die Macht der Worte

"All," Thayne said with sudden intensity. "Our lives. We need far more than rusty, pocked metal to wave at Regis Aurum. We have no arms, no money, and no power."
He could not see it, but he felt his brother's smile flash across the night between them. "We have words."
(McKillip 2000: 33)
Patricia A. McKillip: The Tower at Stony Wood. ISBN: 0-441-00733-3

Samstag, 16. April 2011

[Zitate] Wert des Menschen

"Es gibt Menschen, bei denen aller Wert, alles Leben im Innern liegt, und natürlich gibt es keinen anderen Weg herauszufinden, zu messen, zu wissen, ob sie potentiell außergewöhnlich sind oder medioker, als in ihrer Gesellschaft zu leben. Sind sie abwesend, fern oder tot, dann bleibt für den Blick von außen nichts von dem, was das Beste an ihnen war: das Potential und der andauernde Zweifel, ob sie nicht doch sehr viel mehr wären, als sie waren."
(Garcia 2010: 317)
Tristan Garcia: Der beste Teil der Menschen. ISBN: 978-3-627-00170-4

[Am Rande] Poetische Versüßung der Arbeit

Was man beim Recherchieren nicht so alles findet...
Sommerhohe Wolken reisen,
Die vom Westen ostwärts zogen -
Aus dem Osten sind die Bäume
Sommerherrlich hergezogen.

Aus den fernsten Kontinenten
Kamen sie mit reicher Habe:
Kronen - Früchte - Blätter - Blüten
Brachten sie als Morgengabe.

Auf den Bergen, in den Tälern
Asiens sind sie aufgebrochen,
Von den Geistern und den Göttern
Wurden sie uns zugesprochen.

Unter Japans Feuergipfeln
Streuten aus sie ihre Saaten.
Was sie hörten, was sie sangen,
Wird kein Vogelklang verraten.

Andre stiegen von den Zinnen
Hoch vom Himalaya nieder:
In den sturmgeprüften Kronen
Schlafen noch die Felsenlieder.

(Friedrich Schnack)*
Das versüßt den HiWi-Job doch ungemein...

* Leider waren weder Titel noch Jahr angegeben und ich konnte dazu auch im Internet keine näheren Angaben finden. Wer etwas genaueres weiß, lasse es mich gern wissen.

[Offtopic] Älter werden...

Woran merkt man, dass man so ganz allmählich älter wird? Ich habe es gestern Abend deutlich gespürt: Nicht in einen Club kommen, weil einer der Anwesenden unter 21 ist und sich wundern, weil das so fremd ist - und dann sagen: "Och, wie süüüüß." Sowieso nach dem Bierchen in der Kneipe nicht mehr mit in einen Club gehen, weil man so vernünftig ist, zu wissen, dass man länger bleibt als "nur ein Stündchen", aber doch morgen früh raus muss. Tja, man ist eben nicht mehr Anfang 20...

[Nostalgie&Gegenwart] Mumins lange Reise

Tove Janssons liebevolle und phantasiereiche Geschichten aus dem Mumintal sind die finnischen Klassiker schlechthin. Eine gute Freundin von mir ist gerade für ein Auslandsjahr in Finnland und ihre Briefe werden von Mumin-Briefmarken geziert, worüber ich mich immer sehr freue! Die Geschichten über Mumin und seine vielen, unterschiedlichen Freunde sind auch nicht einfach nur Kindergeschichten, sondern zugleich für Erwachsene wundervolle Ausflüge vom Alltag, denen zugleich noch ein paar wertvolle Denkanstöße zu entnehmen sind. Wahrscheinlich machte es mir deshalb auch so eine große Freude, die Geschichten mit Mitte 20 wiederzuentdecken und mit den Mumintrollen auf große Reise zu gehen.

Im ersten Band der Mumin-Geschichten sind Mumin und seine Mutter auf der Suche nach dem Muminvater, der ein schönes Zuhause für den Winter suchen möchte, wo die Mumintrolle in aller Ruhe ihren Winterschlaf halten können. Ihre Reise führt sie durch die unterschiedlichsten Gebiete und stellt sie vor zahlreiche Abenteuer, in deren Verlauf Mumins Familie immer neue Gestalten kennen und schätzen lernt. Alle bergen ihre ganz eigenen Charakterzüge und regen in ihrer Eigenart häufig zum Schmunzeln an. Zugleich sind die Geschichten wundervoll illustriert, so dass Kinder, denen man diese Geschichten vorliest, auf fast jeder Seite auch etwas Schönes zu betrachten und entdecken haben - wobei: Das gilt ja freilich nicht nur für Kinder...

Zu guter Letzt gelingt den Mumins und dem kleinen Tier natürlich die Familienzusammenführung im wunderbar abgelegenen Mumintal, wo sie ein himmelblaues Haus vorfinden, das sie fortan ihr Eigen nennen, und das den Dreh- und Angelpunkt der folgenden Mumin-Geschichten bildet. Und dabei beweisen die Mumintrolle und ihre zahlreichen Freunde vor allem eins: Zusammenhalt, gegenseitige Wertschätzung und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, sowie die des Anderen. Und das sind wunderbare Werte, die man Kindern mit diesen phantasievollen und lustigen Geschichten einfach wunderbar vermitteln kann.

Fazit: 5 Sterne!

Tove Jansson: Mumins lange Reise. ISBN: 978-3-401-06094-1

Freitag, 15. April 2011

[Freitags-Füller] #1

1. Ich muss unbedingt noch eine ganze Menge Arbeiten und für meine Prüfungen lernen.

2. Ich bin absolut urlaubsreif, schon seit einiger Zeit.

3. Mein Lieblingsfrühstück am Wochenende ist spät, ausgiebig und gemütlich, zusammen mit meinem Lieblingsmenschen - absolutes Must-Have: Ganz viel Schwarztee und ein Buch neben mir.

4. Aktuelle Parole: Zähne zusammen beißen bis auf weiteres.

5. Es ist immer schön eine liebe Nachricht zu bekommen.

6. An der Nordsee, oder auf einem Alpen-Gipfel - da wäre ich jetzt gerne.

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf (späten) Feierabend und ein anschließendes Treffen mit Freunden, morgen habe ich Backen für einen Kaffeeklatsch und Arbeiten geplant und Sonntag möchte ich nebst Prüfungsvorbereitung und Arbeit vor allem mal früh ins Bett!

Ich hoffe, euer Wochenende ist weniger arbeitsintensiv, und wünsche euch viel Sonnenschein!

Und was erwartet euch am Wochenende? Postet es doch einfach hier oder greift euch selbst den aktuellen Freitags-Füller.

Donnerstag, 14. April 2011

Ich dachte, ich wär ein Panther

Woher wissen wir, wer wir sind? Und wie definieren wir das überhaupt? Diese elementaren Fragen versucht sich eine kleine Ente zu beantworten. Das ist für sie jedoch gar nicht so einfach, denn sie wurde in einem Plüschpantoffel geboren. Für sie ist lange Zeit der Plüschpantoffel die Mama - und die Ente folglich auch ein Plüschpantoffel, oder? Vielleicht ist sie aber auch ein Biber, oder eine Fledermaus? Die kleine Ente wird von Familie zu Familie gereicht, identifiziert sich mit ihr, definiert sich über sie und zeigt uns, dass unser Umfeld zu einem großen Teil bestimmt, wer und was wir sind. Aber eben nicht nur... Da ist noch immer etwas, was der kleinen Ente fehlt: Ihre Herkunft. Denn wir müssen auch wissen, woher wir kommen, um einordnen zu können, wohin wir gehen.
Eine unheimlich schöne und liebevoll erzählte Fabel, die für Kinder wie Erwachsene schöne und wichtige Denkanstöße parat hält. Der gute Eindruck wird einzig durch das anschließende Nachwort getrübt, in dem uns die Autorin gleich ihre Intention mit auf den Weg gibt und so den eigenen Interpretationsspielraum massiv eingrenzt. Schade, dass sie ihren Lesern nicht mehr zutraut. So bleibt am Ende leider ein fader Beigeschmack. Ich kann also nur raten, das Nachwort gar nicht erst zu lesen, sondern die Geschichte für sich selbst wirken zu lassen.

Fazit: 3 Sterne! (Normalerweise 4, aber das Nachwort verschenkt zu viel...)

Paola Mastrocola: Ich dachte, ich wär ein Panther. Die Geschichte einer Ente auf der Suche nach sich selbst. ISBN: 978-3-492-25303-1

Mittwoch, 13. April 2011

[Statistik] Amüsante Suchanfragen #1

Ich habe die Tage das erste Mal in die Statistiken meines Blogs geblickt. Bisher wusste ich gar nicht, dass beispielsweise eine so umfangreiche Auflistung der Herkunft meiner Blogbesucher geführt wird, und dass ich unter anderem auch sehen kann, welche der hiesigen Posts am häufigsten aufgerufen werden, etc.
Am interessantesten ist es aber, zu betrachten, über welche Suchanfragen Besucher hier her finden. Über eine musste ich doch sehr schmunzeln:
"Reinkarnation Kafka"
Das ist nun natürlich vor allem eine Glaubensfrage...;-)
Ich werde künftig wohl öfter in die Statistik blicken und weitere amüsante Suchanfragen hier posten.

Das war ich nicht

Jasper Lüdemann ist aus Deutschland ausgewandert, um dort Karriere bei einer großen Bank zu machen. In Chicago hat er sich ein neues Leben aufgebaut und ist in seinem Beruf so erfolgreich, dass er es bald aus dem Back Office in den großen Händlersaal schafft. Hier wollte er hin. Hier will er beweisen, was in ihm steckt. Freizeit? Familie? Iwo, mit Mitte dreißig muss man einfach für seine Karriere brennen.

Meike ist gerade aus der großen Stadt aufs Land gezogen. In der einsamen Idylle will sie sich ebenfalls ganz ihrem Beruf widmen: Sie ist Übersetzerin. Ihre Existenzgrundlage sind die Romane von Henry LaMarck. Nur gut, dass von ihm ein neues Buch angekündigt wurde. Mit dem Vorschuss für ihre baldige Übersetzung muss sie einige Rechnungen begleichen - so ein abgeschiedenes Haus kauft sich schließlich nicht von allein.

Zu blöd nur, dass Henry LaMarck schon sehr lange kein Wort mehr zu Papier gebracht hat. Von der großen Party zu seinem sechzigsten Geburtstag, die sein Verleger für ihn schmeißt, haut er ab, bevor die Fragen nach seinem neuen Roman auf ihn einstürzen. Er hatte sich unglücklicherweise in einer Talkshow dazu hinreißen lassen, von einem großartigen, neuen Romanprojekt zu berichten, um mit all den anderen Jungspunden mithalten zu können. Sein Alter macht ihm nämlich doch mehr zu schaffen, als er gern zugeben mag... Und jetzt nerven ihn alle wegen seines neuen Buches? Und dann auch noch diese aberwitzige Übersetzerin aus Deutschland, die meint, sein Werk analysieren und kritisieren zu dürfen! Henry hat ganz anderes im Kopf. Er hat sich nämlich verliebt - in das Bild eines jungen Bankers, der mit solch tiefer Betroffenheit und Verzweiflung auf die fallenden Börsenkurse starrt, wie Henry es nur selten erlebt hat. Könnte er doch nur diesen jungen Banker, so voll von echtem Gefühl, ausmachen - dann würde es bestimmt auch wieder mit dem Schreiben klappen. Oder?

Magnussons Roman erzählt die Geschichte von drei Menschen, die durch einen fast aberwitzigen Zufall in eine rasante Abhängigkeit zueinander geraten. Wir erfahren abwechselnd aus der Perspektive der jeweiligen Personen, wie es in ihrem Leben weiter geht, wie sie dorthin kamen - und wie sie ihre aktuelle Situation bewerten. Dabei hat Magnusson die Charaktere so genial ausgefeilt, dass es nicht nur unfassbar spannend ist, der immer rasanter werdenden Geschichte zu folgen, sondern man auch ganz persönlich mitfiebert, wie es mit den dreien wohl weitergehen mag.

Super geschrieben, manchmal zum lauthals Auflachen komisch, und so wahr!
Zu diesem Buch war ich auch bei einer Lesung von Kristof Magnusson, der auf eine sehr sympathische Weise nicht nur aus seinem Roman vorgelesen, sondern im Anschluss auch darüber gesprochen hat, wie liebevoll und detailliert er seine Charaktere entwickelte - eine wahnsinnig beeindruckende Recherche-Arbeit! Und mit dem Buch bewies Magnusson eine verblüffende Vorhersagekraft: Er lieferte den Roman zur Finanzkrise kurz vor der Finanzkrise. (Wie er sagte, war das einfach nur Glück.)

Fazit: 5 Sterne!

Kristof Magnusson: Das war ich nicht. ISBN: 978-3-88897-582-0.

Dienstag, 12. April 2011

[Offtopic] Schreibstil

Beim Stöbern stieß ich bei Eliterator auf einen netten, kleinen Zeitvertreib... Ihr wolltet schon immer einmal wissen, welchen Schreibstil ihr pflegt? Bei der FAZ könnt ihr das mit einem kleinen Tool testen. Einfach einen möglichst langen Text eingeben und analysieren lassen. Die Idee fand ich ganz spaßig und musste das einfach mal selbst ausprobieren. Mit verschiedenen Blogeinträgen kam ich letztendlich auch auf verschiedene Ergebnisse (man hat ja hoffentlich auch doch seinen ganz eigenen Schreibstil, in dem sich nur bestimmte Elemente wiederfinden, die Anklang an den ganz Großen unter den bekannten Schriftstellern nehmen), aber die häufigsten Ergebnisse waren die Folgenden:


Wenn ihr das Ganze selbst ausprobieren wollt, müsst ihr übrigens bloß auf eine der Grafiken klicken und schon gelangt ihr zum Test. - Und, wie schreibt ihr?

[30+31/31-1] Der beste Teil der Menschen - The Tower at Stony Wood

Tag 30 – Das Buch, das du zurzeit liest

Diese Frage zu beantworten, ist in meinen Augen einigermaßen witzlos, da ich ja bereits angekündigt habe, dass mich das Buch "Der beste Teil der Menschen" für die Gastrezension bei der Bibliophilin erreicht hat, und ich es nun natürlich bevorzugt lese... Alles weitere folgt, sobald ich es beendet habe. Aktuell kann ich jedoch vielleicht noch eins festhalten: Entgegen mancher Rezensionen, die ich beispielsweise bei Amazon zu diesem Buch gelesen habe, finde ich nicht, dass der Beginn nur schwer nachzuvollziehen ist. Es ist vielmehr eine gelungene Einführung der verschiedenen Charaktere!

Tag 31 – Das Buch, das du als nächstes liest/lesen willst

Da Frage 30 damit viel zu kurz abgeschlossen ist, und ich mich ja ohnehin überhaupt nicht an die tatsächlichen Regeln des Stöckchens gehalten habe, täglich eine Frage zu beantworten, hier noch ein Ausblick darauf, welches Buch ich als nächstes lesen möchte: Ich möchte endlich "The Tower at Stony Wood" abschließen, das schon viel zu lange nur angelesen auf meinem Nachttischchen liegt... Erschreckenderweise fällt es mir ganz schön schwer, dieses englische Buch zu lesen. Das mag aber auch daran liegen, dass es sich dabei um eine Märchenerzählung handelt und die Sprache sehr viel bildhafter ausfällt, als dies in anderen englischen Büchern der Fall ist. (Schwache Ausrede?) Sobald ich es abgeschlossen habe, gibt es dazu natürlich auch mehr.

Und damit: Täterätäää - Trommelwirbel - habe ich die erste Runde dieses Stöckchens tatsächlich abgeschlossen. Hat ja auch nur beinahe fünf Monate gedauert...;-) Ich werfe dieses Stöckchen nicht weiter, aber wer es findet, darf es sich natürlich gern mitnehmen. Hinterlasst mir doch bitte einen Kommentar, wenn ihr es aufgreift - ich bin gespannt, eure Antworten zu den verschiedenen Fragen zu lesen.

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Montag, 11. April 2011

[Nostalgie&Gegenwart] Das Wunder von Narnia

"Die Chroniken von Narnia" zu lesen, hatte ich mir eigentlich schon sehr lange vorgenommen - die Nostalgie&Gegenwart-Challenge ist mir also ein willkommener Anlass, sie als mir bisher unbekannte Jugendbücher zu lesen. Mein Lieblingsmensch hat alle sieben Bände in einem wunderschönen Schmuckschuber, in dem sich die Büchlein in unterschiedlichen Farben befinden. Dabei sind nicht nur die Seitenränder farbig eingefäbrt, sondern auch die Schrift in der jeweiligen Farbe gehalten.

Band 1, das bordeauxrote "Wunder von Narnia", führt uns in die phantasievolle Chronik ein: Wir erfahren, wie Narnia entsteht. Polly und Digory, zwei aufgeweckte Kinder im London zur Zeit Sherlock Holmes', wollen in ihren Ferien eigentlich das unbewohnte Nachbarhaus von Digorys Familie besichtigen. Ein geheimnisvoller Tunnel verbindet alle Häuser ihrer Straßenseite und so scheint es ein Leichtes, in die Gebäude hinein zu kommen. Blöderweise verschätzen sich die beiden Abenteurer jedoch in der Distanz und landen im geheimen Arbeitszimmer von Digorys Onkel Andrew, dem die beiden Kinder gerade recht kommen: Er plant ein Experiment mit ihnen. Seltsam surrende, farbige Ringe, die er von seiner Patin mit Feenblut in den Adern erhalten hatte, können Lebewesen zwischen verschiedenen Welten hin und her transportieren. Er selbst traut sich aber nicht, dies auf seine alten Tage auszuprobieren. Und die Meerschweinchen, die er aus seiner Welt hinweg befördert, kann er leider nicht zu ihren Erfahrungen befragen. Also müssen Polly und Digory herhalten, die eher unfreiwillig in den Wald zwischen den Welten gelangen und sich dort zwischen zahlreichen Seen und Teichen wiederfinden. Ein jeder von diesen Teichen führt in eine andere Welt und von Neugier gepackt, gelangen sie in das alte Königreich Charn, das dem Untergang geweiht ist, nachdem die böse Königin Jadis das "Unaussprechliche Wort" ausgesprochen hat. Im letzten Moment kommen Polly und Digory aus den über sie einstürzenden Trümmern zurück in den sicheren Wald. Zu dumm nur, dass ihnen Jadis gefolgt ist und sich auf die Suche nach einem neuen Königreich macht, das sie ihrer dunklen Magie unterwerfen will...

Die Geschichte ist nicht nur sehr phantasievoll, sie spielt auch mit vielen bekannten Motiven - und es ist ein sprechender, sehr weiser Löwe namens Aslan, der schließlich Narnia ins Leben ruft und den verschiedenen Organismen Leben, ja sogar Weisheit einhaucht.
Der Schreibstil ist wunderbar warm, man kann beinahe hören, wie ein alter Mann mit einer sanften, tiefen Stimme die Geschichte nicht nur vorliest, sondern erzählt. Sehr angenehm ist, dass der Erzählfluss nie langatmig wird, nie ins Stocken gerät, dass ein Spannungsbogen aufgebaut wird, der für die Geschichte begeistert und an ihrem Fortgang interessiert, der aber nie die Nerven zu sehr überspannt. (Wie ich das wohl als Kind/Jugendliche empfunden hätte?) Der erste Band der Chroniken gibt zu seinem Ende bereits Einblicke in das, was den Leser in den kommenden Bänden erwartet - und darauf bin ich schon jetzt sehr gespannt.

Meinen Lieblingssatz dieses wunderschönen Büchleins muss ich euch unbedingt noch vorstellen:
"Lacht nur und fürchtet euch nicht, ihr Kreaturen. Jetzt, wo ihr nicht mehr stumm seid und ohne Verstand, braucht ihr nicht mehr unentwegt ernst zu sein. Denn Witz und Gerechtigkeit gehen Hand in Hand mit der Sprache."
(Lewis 2005: 112)
Zwar klingt hier die These an, dass es kein Denken ohne Sprache gäbe, der ich nicht ohne Murren zustimmen kann, doch zugleich gefällt mir die Betonung, dass Witz mit der Sprache einher geht. Nicht nur, weil man durch sie überhaupt Witze erzählen kann, sondern weil sie so viele Möglichkeiten liefert, Wortspielereien zu drechseln und kreative Amüsements zu weben...

Fazit: 5 Sterne!

Clive Staples Lewis: Das Wunder von Narnia. Band 1 der Narnia-Chroniken. ISBN: 3-86506-081-1

[29/31-1] Wächter der Nacht

Tag 29 – Warum zur Hölle wurde dieses Buch verfilmt???

Prompte Antwort: Wächter der Nacht von Sergej Lukianenko. Warum, warum, warum?! Der Film schafft es in meinen Augen nicht einmal ansatzweise die komplexe Geschichte der Wächter-Romane zu veranschaulichen. In den Wächter-Romanen schafft Lukianenko eine ganz eigene Welt innerhalb der uns bekannten. Es gibt die Menschen und die Anderen. Die Anderen sind Magier, Gestaltenwandler, oder Vampire - und sie teilen sich nochmals auf in die Kräfte des Lichts und die Kräfte des Dunkels. Der entscheidende Unterschied ist: Die Vertreter des Lichts opfern sich für andere auf, das Gute liegt für sie in der Erreichung eines höheren Ziels zum Wohle der Menschen, während die Dunklen das Gute in ihren eigenen Vorteilen sehen und als egoistisch gelten. Zwischen diesen einander widerstrebenden Kräften wurde vor langer Zeit der Große Vertrag geschlossen, der einen Waffenstillstand zwischen den beiden Seiten beschließt. Um seine Einhaltung zu garantieren, wurden die Tag- und die Nachtwache installiert - tagsüber kontrolliert die Tagwache der Dunklen die Aktivitäten des Lichts, während nachts die Nachtwache der Lichten diejenigen des Dunkels prüft. Über den Wachen steht die Inquisition.
Alles scheint im Gleichgewicht, doch dann muss Nachtwächter Anton Gorodezki ein wilderndes Vampir-Paar stellen, das einen noch nicht initiierten Jungen auf seine dunkle Seite ziehen will. Und auf der wilden Verfolgungsjagd bemerkt er eine Frau, die mit einem schweren Fluch belegt wurde - geraten die Kräfte zwischen Licht und Dunkel etwa ins Wanken?

Dies ist nur die erste von drei Episoden, die in "Wächter der Nacht" erzählt werden - und damit den Auftakt zu den weiteren Wächter-Romanen bilden, in denen man immer tiefer in die Welt der Anderen vordringt und die verschiedenen Seiten kennen lernt. Sie sind wahnsinnig tiefgründig und spannend erzählt und bergen viele interessante Gedankengänge. Diese Vielschichtigkeit kann ein Film wohl gar nicht auffangen... Doch der Film hat mir auch einfach von seiner Kameraführung, Farbwahl und Erzählweise nicht gefallen, war zu einseitig und wurde dem Buch in meinen Augen nicht einmal ansatzweise gerecht.

Für das Buch gilt aber - Fazit: 5 Sterne!

Sergej Lukianenko: Wächter der Nacht. ISBN: 978-3-453-53080-5

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Sonntag, 10. April 2011

You've got mail...

Gestern erreichte mich die Buchsendung der Bibliophilin mit dem Roman für meine Gastrezension auf ihrem Blog. Gerade richtig, um in der Prüfungsphase auch noch etwas anderes als nur die Lernerei zu haben - und das wundervolle Wetter lädt zum Schmökern auf dem Balkon ein. Ich bin sehr gespannt auf diesen Roman, über den sich die französischen Rezensenten vor Lob nur so überschlugen, während die Kritiken auf deutscher Seite sehr gemischt sind - vor allem wohl deshalb, weil die französische Kultur hier nicht so sehr bekannt und verwurzelt ist. Wir werden sehen...
Klappentext:
"Erzählt wird die Geschichte von drei Männern und einer Frau im Paris der 1980er Jahre. Der homosexuelle Willie kommt aus der Provinz nach Paris, um "den Kokon in einen Schmetterling zu verwandeln". Dominique Rossi ist ein charismatischer Schönling und politischer Linksaußen, er gründet die erste Schwulenbewegung Frankreichs. Der dritte, Jean-Michel Leibowitz, repräsentiert jene Art des kultivierten jüdischen Pariser Intellektuellen, den das Fernsehen liebt. Willie und Dominique sind erst ein Paar, dann verfeindet. Jean-Michael mutiert zum Salonphilosophen und verliert, von der Macht fasziniert, seine Überzeugungen. Die Journalistin Elisabeth Levallois, die Freundin Willies, die Kollegin Dominiques und die Geliebte von Jean-Michel, berichtet vom Leben der drei Männer, die das kulturelle Leben in Paris repräsentieren. Alle vier erleben eine Geschichte von Leidenschaft und Verrat in einem Paris, das mit Ende der 1980er Jahre zur Hauptstadt von Sex und Tod wird."
Mir sprang bei Bibliophilins Rezensionsaufruf zunächst einfach nur der Titel ins Auge: Wer oder was ist denn der beste Teil der Menschen? Was verbirgt sich hinter dieser Frage? Haben nicht genau solche Ansprüche immer wieder zu Unterdrückung und Ausgrenzung geführt? Das wollte ich genauer wissen. Mittlerweile kenne ich ja nun den Klappentext und bin umso mehr gespannt, wie die verschiedenen Figuren miteinander verwoben sind und interagieren - und natürlich, inwiefern sich der Titel in der Handlung niederschlägt. - Ich werde berichten.

Tristan Garcia: Der beste Teil der Menschen. ISBN: 978-3-627-00170-4

Samstag, 9. April 2011

[Zitate] Phantasie und Wahrheit

"(...) Aber eines will ich dir noch sagen: Bis heute habe ich nicht an Magie geglaubt. Jetzt sehe ich, dass es sie wirklich gibt. Vermutlich beruhen also auch die ganzen alten Märchen mehr oder weniger auf Wahrheit. Und so wie in diesen Märchen bist du ganz einfach ein böser, grausamer Zauberer. Aber ich habe noch nie ein Märchen gelesen, in dem so jemand wie du nicht am Ende seine gerechte Strafe bekommt. Ich wette, so ist das auch bei dir. Und das geschieht dir ganz recht."
(Lewis 2005: 26f.)
C.S. Lewis: Das Wunder von Narnia. Band 1 der Narnia-Chroniken. ISBN: 3-86506-081-1

Donnerstag, 7. April 2011

[Nostalgie&Gegenwart] Der kleine Vampir

Mein erster Beitrag zu dieser Challenge ist "Der kleine Vampir", ein Buch, das ich in meiner Kindheit absolut geliebt habe. Mittlerweile ist es schon ganz abgegriffen, beginnt zu vergilben (da war doch wohl nicht der Lignin-Anteil in der Herstellung zu hoch? Sorry, bin noch im Prüfungswahnsinn der heutigen Klausur) und hat diesen wundervollen Geruch alter Bücher angenommen, den ich so sehr liebe... Ich kann nicht mehr sagen, wie oft ich die erste Geschichte über Anton und seine ausgefallenen Freunde als Kind gelesen habe, aber das Buch stand nun tatsächlich für viele Jahre ungelesen im Regal. Umso schöner war es, es einmal wieder hervor zu kramen und darin zu schmökern.

Anton ist ein großer Fan von Gruselgeschichten - vor allem Vampire zählen zu seinen Favouriten. Umso spannender ist es, als plötzlich ein leibhaftiger Vampir bei ihm auf der Fensterbank landet und sich mit ihm anfreundet. Rüdiger ist bereits als Kind gestorben gebissen worden und seit über hundert Jahren Vampir. Antons Bücher haben es ihm angetan und er möchte sich den einen oder anderen Band von ihm ausleihen. Bald kommt auch Rüdigers Schwester Anna hinzu, die sich unsterblich in Anton verliebt. Eigentlich wäre alles fein in diesem ungleichen Dreiergespann, wäre da nur nicht die Schwierigkeit, dass Anton um acht ins Bett muss, und dass Rüdigers und Annas Tante Dorothee Menschenfleisch auf viele Meter Entfernung riechen kann. Und dann gibt es ja auch noch Lumpi, den ewig pubertären Vampir, den Friedhofswärter Geiermeier - und natürlich Antons Eltern, die seine neuen Freunde unbedingt kennen lernen möchten...

Ein Büchlein, das 128 Seiten Lesespaß und Spannung für Kinder garantiert und Lust auf die zahlreichen weiteren Bände über den kleinen Vampir macht.

Wie gesagt, habe ich das Buch als Kind geliebt. Es nach so vielen Jahren wieder einmal zu lesen, hat mir viel Spaß gemacht und zahlreiche Erinnerungen geweckt. Ich musste daran denken, wie sehr ich mit Anton mitgefiebert habe, wenn er versuchte, seine unheimlichen Freunde vor seinen Eltern zu verstecken, wie lustig ich den unabhängigen, etwas vorlauten Rüdiger fand, und wie sehr ich mich mit der verträumten Anna identifizierte, die noch im Zahnwachstum ist, und daher nur Milch trinken kann.
Zugleich achtete ich bei diesem Mal viel mehr auf die Eltern von Anton und wie sehr sie sich doch von ihrem Sohn an der Nase herum führen lassen. Etwas mehr Phantasie sollte man schon mitbringen, wenn man ein Kind groß zieht. Aber natürlich ist es ja nur zu Antons Vorteil, dass seine Eltern ihm nie wirklich auf die Schliche kommen und sich immer im richtigen Augenblick von so nebensächlichen Dingen wie dem Teekessel ablenken lassen...

Fazit: 4 Sterne! (Und ich muss mir unbedingt noch die mir fehlenden Bände der Reihe holen...)

Angela Sommer-Bodenburg: Der kleine Vampir. ISBN: 9 783499 202162

Dienstag, 5. April 2011

[28/31-1] Chocolat

Tag 28 – Zum Glück wurde dieses Buch verfilmt!

Die Antwort kommt prompt: Chocolat! Kennt ihr diesen wundervollen Film mit Juliette Binoche und Johnny Depp? Nein? Dann gibt es nur eins: Ansehen! Und die Musik dazu ist auch einfach wundervoll.


Diesen Film zähle ich schon seit vielen Jahren zu meinen Highlights im DVD-Regal und habe ihn auch schon unzählige Male gesehen. Lange wusste ich gar nicht, dass er auf dem Roman von Joanne Harris basiert. Bis ich eines Tages an einem freien Nachmittag mal wieder durch eine große Buchhandlung stöberte, im Regal plötzlich den Roman fand und sehr erstaunt war. Aber ich kaufte mir das Buch nicht gleich, da ich unsicher war - würde das Buch mir auch nur annähernd so gefallen, wie der Film? Würde mir im Anschluss noch der Film gefallen? Ich verließ die Buchhandlung schließlich mit einem anderen Buch...
Es waren letztendlich vier Anläufe, immer wieder stieß ich bei meinen nächsten Besuchen in Buchläden auf diesen Roman und als ich dann auch noch die Fortsetzung der Geschichte um die irgendwie magisch umwobene Vianne Rocher und ihre kleine Tochter Anouk fand, musste ich schließlich doch zugreifen - und wurde belohnt!

Im Buch kommt noch viel mehr als im Film die zauberhafte Atmosphäre zum Ausdruck. Worum geht es? Vianne Rocher und ihre Tochter Anouk kommen zu Fastnacht in ein beschauliches Städtchen in Paris und lassen sich dort nieder. Schnell haben sie eine neue Bleibe gefunden und eröffnen eine Chocolaterie - mitten in der Fastenzeit. Das ist Pater Reynaud natürlich ein Dorn im Auge und er untersagt den Mitgliedern seiner Gemeinde jeglichen Umgang mit der Fremden. - Was er jedoch nicht weiß: Vianne hat ein ganz besonders Gespür für ihre Kunden - sie erkennt sofort, welche Pralinen, welche Sorten von Schokolade am besten zu ihnen passen. Es dauert nicht lang, und die Chocolaterie wird zum geheimen Mittelpunkt des Ortes, an dem die Bewohner von Lansquenet-sous-Tannes nicht nur ihren Hunger auf köstliche Kleinigkeiten stillen, sondern auch mehr und mehr zu ihrem eigenen Selbst finden. Als schließlich eine Gruppe von Hausbooten am Ufer der Stadt anlegt, und Vianne auch noch ein großes Schokoladenfest zu Ostern plant, setzt Pater Reynaud schließlich alles auf eine Karte...

Der Roman ist wie eine Art Tagebuch geschrieben: Von Fastnacht bis Ostern schildern abwechselnd Vianne und Pater Reynaud ihre Sicht der Dinge. Mit viel Liebe zum Detail, wunderschön ausgeschmückten Worten und dem Sinn für eine Erzählung, die Lust auf Mehr macht, hat Harris einen Roman geschrieben, der nie zu kitschig, nie zu magisch, nie zu dick aufgetragen ist und voller Spannung eine Erzählung um die fein ausgearbeiteten Charaktere webt.

Fazit: 5 Sterne!

Joanne Harris: Chocolat. ISBN: 978-3-548-25244-5

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Montag, 4. April 2011

[27/31-1] Geboren in Lhasa


Tag 27 – Ein Buch, dessen Hauptperson dein „Ideal“ ist

Diese Aufgabe fiel mir bisher am schwersten von allen. Letztendlich würde ich sagen: Namgyal Lhamo Taklha. Ihre Autobiografie "Geboren in Lhasa" habe ich im Rahmen meines vorherigen Studiums in einem Seminar zur tibetischen Geschichte gelesen. Ohnehin war das für mich eines der tollsten Seminare meines Geschichtsstudiums - Tibetische Geschichte, und dann auch noch ein Referatsthema, für das ich ein Buch lesen und darüber berichten durfte, perfekt!
Ich bin eigentlich kein großer Fan von (Auto-)Biographien, weshalb weiß ich auch nicht so genau. Umso mehr hat mich dieses Buch dann doch überrascht und ich habe es mit großer Freude, aber auch großer Empathie und Betroffenheit gelesen. Schon der allererste Satz, der als einleitendes Zitat noch vor dem Inhaltsverzeichnis steht, hat mich tief beeindruckt - er lautet: "Mein Leben war ein Abenteuer, das mir die Möglichkeit bot zu wachsen."

Namgyal Lhamo Taklha ist die Schwägerin des 14. Dalai Lama. So verwundert es nicht, dass sie in einem sehr behüteten Umfeld lebt - bis Tibet von den Chinesen besetzt wird.* Taklhas Familie flüchtet ins Exil - und dort beginnt Namgyal mit ihrem unerschütterlichen Engagement für die Freiheit ihres Heimatlandes und ihrer Kultur. Aus diesem Grund hat sie auch ihre Autobiographie geschrieben, die mehr ist, als nur die Darstellung ihres Lebens, sondern einen tiefen Einblick in die tibetische Kultur und Religion bietet, verbunden mit dem Ziel, sie für die Welt zu erhalten, damit die tibetischen Wurzeln in der chinesischen Besatzung nicht gänzlich verloren gehen. Immer schwingt ihren Schilderungen auch die Angst mit, was wohl passieren wird, wenn der weltweite Sympathie-Träger, der 14. Dalai Lama stirbt und seine Reinkarnation erst gefunden werden muss...

Natürlich ist es ein privilegierter Blick auf das alte Tibet - in einer Familie der Hocharistokratie wird die eigene Umwelt und Kultur mit Sicherheit anders erfahren und verarbeitet, als in einer armen Familie. Zugleich bietet Taklhas Reichtum ihr die Möglichkeit, ins Exil zu flüchten. Doch nur von dort aus hat sie eine echte Chance, sich für ihr Heimatland einzusetzen. Und es ist beeindruckend, mit welchem Elan sie sich engagiert. Sie hätte auch in Europa oder Amerika bleiben können, sich dort ein beschauliches neues Zuhause einrichten und sich nur auf sich konzentrieren. Doch genau das tut sie eben nicht: Sie kehrt zurück nach Indien und wird Mitglied der Exilregierung. Mit dieser Konsequenz für eine Sache einzustehen und nicht aufzugeben, hat mich tief beeindruckt - insbesondere, dass Taklha es im Rückblick auf ihr bisheriges Leben als eine Möglichkeit beschreibt, an der sie wachsen kann. Ich denke, daran kann man sich getrost eine Scheibe abschneiden.

Fazit: 5 Sterne!

Kleine Randnotiz: Taklha hat bei den Dreharbeiten zu dem wunderbaren Film Kundun beratend mitgewirkt. In einem Kapitel ihres Buches beschreibt sie auch ihre Erfahrungen am Set. Den Film kann ich euch übrigens auch nur ans Herz legen!

Namgyal Lhamo Taklha: Geboren in Lhasa. Autobiografie. ISBN: 3-485-00915-6

* In meiner zum Seminar gehörenden Hausarbeit setzte ich mich mit genau diesem Thema sehr intensiv auseinander, bzw. mit den weit zurück liegenden Zusammenhängen, mit denen bis heute Chinas Machtanspruch in Tibet begründet wird. Eine sehr unglückliche Verkettung historischer Umstände - und zu einem großen Teil leider auch zurückzuführen auf ein kulturelles Missverständnis zwischen China und dem 5. Dalai Lama... Tragisch, zu welchem Leid das bis heute führt und geführt hat!

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[Zitate] Gerechtigkeit


DANN NIMM DAS UNIVERSUM UND MAHL ES, BIS ES ZU EINEM GANZ FEINEN PULVER WIRD, UND DANN FILTERE ES DURCH DAS FEINSTE SIEB, UND DANN ZEIG MIR AUCH NUR EIN ATOM GERECHTIGKEIT, EIN MOLEKÜL GNADE. UND DOCH... Tod winkte mit einer Hand. UND DOCH VERHALTEN SICH DIE MENSCHEN SO, ALS GÄBE ES EINE IDEALE ORDNUNG IN DER WELT, EINE... RICHTIGKEIT IM UNIVERSUM, DIE ALS MASSSTAB DER DINGE GELTEN KÖNNTE.
"Ja, aber die Leute
müssen an etwas glauben, sonst hat doch alles keinen Sinn..."
GENAU DARAUF WOLLTE ICH HINAUS.

(Pratchett 2010: 393)
Terry Pratchett: Schweinsgalopp / Fliegende Fetzen. Zwei Scheibenwelt-Romane in einem Band. ISBN: 978-3-442-13468-7.

Sonntag, 3. April 2011

[Zitate] Gezielt süßes Auftreten?

"Fufanne?"
Sie blickte sich um. Die Tür war geöffnet worden, und eine kleine Gestalt stand auf der Schwelle, gekleidet in ein Nachthemd.
Susanne seufzte. "Ja, Twyla?"
"Ich habe Angst vor dem Ungeheuer im Keller, Fufanne. Es will mich freffen."
Susanne schloß das Buch und hob einen mahnenden Zeigefinger.
"Was habe ich dir über den Versuch gesagt, auf einschmeichelnde Weise süß zu sein, Twyla?" fragte sie.
"Du hast gesagt, ich soll es lassen", antwortete das Mädchen. "Du hast gesagt, absichtlich zu lispeln sei eine schlimme Sache und ich wolle damit nur Aufmerksamkeit erregen."
"Gut. Welches Ungeheuer ist es diesmal?"
"Ein grofef haarigef mit..."
Susanne hob erneut den Finger. "Nun?"
"Ein großes haariges mit acht Armen", sagte Twyla.
"Was, schon wieder? Na schön."
(Pratchett 2010: 11)

Terry Pratchett: Schweinsgalopp / Fliegende Fetzen. Zwei Scheibenwelt-Romane in einem Band. ISBN: 978-3-442-13468-7.

[26/31-1] Freddy. Ein wildes Hamsterleben


Tag 26 – Ein Buch, aus dem du deinen Kindern vorlesen würdest

Das habe ich mittlerweile auch schon über so viele Bücher gesagt, dass ich dafür bald ein eigenes Label starten könnte. Um hier aber auch etwas Neues vorzustellen, entscheide ich mich unter dieser Stöckchen-Aufgabe für "Freddy. Ein wildes Hamsterleben", den ersten Band der Freddy-Serie. Diese umfasst fünf kleine Büchlein mit je etwa 160 Seiten, die laut Buchrücken ab zehn Jahren geeignet sind. Solche Altersangaben finde ich meistens zwar fraglich, da ich diese Geschichten durchaus schon früher zum Vorlesen heran ziehen würde - aber zum selbst lesen sind sie dann bestimmt sehr gut geeignet.

Wie der Titel schon sagt, ist Freddy ein aufgewecktes Goldhamster-Kerlchen. Er kommt auf seine jungen Tage aus der Zoohandlung zur kleinen Sofie, die laut Aussage ihres Papas mit diesem kleinen Haustier lernen soll, Verantwortung zu übernehmen. So ganz behaglich ist Freddy dabei zunächst nicht, denn er ist nicht wie alle anderen Hamster. Während seine Verwandten ihn dazu auffordern, sich doch sportlich zu betätigen, möchte Freddy viel lieber nachdenken und diskutieren. Deshalb fehlt ihm auch seine Urgroßmutter so sehr, denn mit ihr hatte er "alle Fragen der Goldhamsterheit" besprechen können, statt sich im Hamsterrad den Verstand wegzustrampeln. Aber bald freundet sich Freddy mit Sofie an. Sie nimmt ihn regelmäßig zu sich auf den Arm - und lässt ihn über ihre Schulter gucken, während sie ihre Hausaufgaben macht. Und bald erfahren wir, weshalb Freddy uns überhaupt seine Lebensgeschichte erzählen kann: Während er seiner Freundin Sofie bei ihren Leseversuchen lauscht, beginnt er allmählich zu begreifen, welche seltsamen Kringel sich da auf dem Papier befinden - er lernt lesen! Klar, dass Freddy sich fortan noch viel mehr langweilt, wenn er die Zeit in seinem Käfig verbringen soll. Und so begibt er sich auf waghalsige Entdeckungstouren durch die Wohnung von Sofies Familie. Leider bleibt das nicht lange unbemerkt, denn Sofies Mama hat eine starke Allergie gegen Tierhaare und ihr Näslein reagiert sofort auf den mutigen Ausflügler.
Eigentlich haben Hamster laut Freddy nur drei Feinde: "erstens kein Fressen, zweitens Dreck und drittens kein Fressen" - doch plötzlich steht Freddy vor einer noch viel größeren Herausforderung: Ihm droht der Rauswurf und damit der Abschied von seiner liebgewonnenen Sofie...

Ein zuckersüßer Roman, der einfach Laune macht und sich auch einmal nebenher an einem Abend lesen lässt. Zwar ist Freddy ein Goldhamster, aber so viele seiner beschriebenen Verhaltensweisen erinnerten mich sehr an meinen kleinen Teddy-Hamster, der leider kurz bevor ich das Buch las verstorben ist (zum Glück in Frieden an Altersschwäche und nicht nach langer fieser Krankheit). Freddy schildert seine Erlebnisse als Ich-Erzähler und legt dabei einen Witz an den Tag, dass es einem ganz warm ums Herz wird. Nicht ohne Grund ist die Altersempfehlung ab zehn - nach oben offen. Wer gern mal eine niedliche, heitere Geschichte zur Abwechslung lesen möchte, dem sei dieses Büchlein wärmstens empfohlen. Ich werde mir mit Sicherheit auch noch die weiteren Bände zulegen.

Fazit: 4 Sterne!

Dietlof Reiche: Freddy. Ein wildes Hamsterleben. ISBN: 978-3-407-78613-5

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Samstag, 2. April 2011

Buch des Jahres

Ich habe mich dazu entschieden, künftig mein Buch des Jahres zu küren. Gar so lang ist 2010 ja noch nicht vorbei (na ja?) - und 2009 nehme ich gleich noch mit.
Mein absolutes Highlight im Jahr 2010 war "Das Buch, in dem die Welt verschwand". Im Jahr 2009 war es "Die Bücherdiebin". Auf diese beiden Bücher kann ich eigentlich gar nicht oft genug hinweisen, so sehr stechen sie unter allen Büchern, die ich in der letzten Zeit gelesen habe, hervor.
Meine Leseliste für die nächste Zeit ist ja bereits sehr lang. Aber ich bin sehr gespannt, was mir sonst noch über den Weg laufen und schließlich Anwärter auf mein Buch des Jahres 2011 wird.

[25/31-1] Die weinende Susannah


Tag 25 – Ein Buch, bei dem die Hauptperson dich ziemlich gut beschreibt

Normalerweise würde ich behaupten, dass diese Aufgabe einer Rezension eine besondere Note verleiht, da man ja in diesem Falle sehr speziell die Hauptperson fokussiert und Nebenstränge eher ausblendet. In diesem Fall sehe ich darin jedoch keine Schwierigkeit, da dieses Buch selbst die Hauptperson als Ich-Erzählerin in den alleinigen Mittelpunkt rückt und man nur ihre Perspektive erfährt. Ich spreche von "Die weinende Susannah" von Alona Kimhi.
Susannah ist 33 Jahre alt, lebt aber noch immer bei ihrer Mutter. Ihr Vater ist vor einigen Jahren gestorben, so dass sie allein mit der sehr herrischen Art ihrer Mutter konfrontiert ist. Susannah gilt in ihrer Familie als alltagsuntauglich und überempfindlich - sie selbst würde sich wohl eher als sehr sensibel bezeichnen. Vor allem mag sie nicht aus ihrem Schneckenhaus heraus kommen. Das ändert sich jedoch schlagartig, als ihr Vetter aus Amerika zu Susannah und ihrer Mutter nach Tel Aviv kommt. Zunächst kann Susannah Naor überhaupt nicht ausstehen - er hat Spielschulden, treibt undurchsichtige Geschäfte, ist mal hier, mal dort, mal nirgendwo. Aber irgendwann nähern sich die beiden eben doch einander an und Susannah öffnet sich mehr und mehr; sie findet, vor allem: steht zu sich selbst. Diese Wandlung einer Raupe zum Schmetterling ist sehr beeindruckend und anschaulich geschildert, und ganz nebenbei erfährt man auch viel über Susannahs Alltag in Israel. Ein Entwicklungsroman mit vielen Eindrücken und Erkenntnissen, die im Gedächtnis bleiben und zum Nachdenken anregen.

Und warum beschreibt mich Susannah nun so gut? So treffgenau ist das ja nie der Fall, da jeder Charakter auf seine Weise einzigartig ist und insofern nur bestimmte Facetten sich ähneln. Dennoch erinnerte ich mich bei dieser Aufgabenstellung ziemlich schnell an die nachdenkliche Susannah, die ihre ganz eigene Sicht auf die Welt hat und sich den Weg zu sich selbst hart erkämpft. Dass sie schon Anfang 30 ist, ist dabei das eigentlich erschreckende und doch ein sehr wichtiger Hinweis darauf, dass wir uns viel früher Gedanken darüber machen sollten, wer wir sind und was wir in unserem Leben erreichen wollen, damit nicht schon ein großer Teil unserer Zeit vergeudet ist, bevor wir uns über unseren eigenen Sinn tiefere Gedanken machen. Und das ist wohl der Grund dafür, dass ich gleich wieder an Susannah denken musste - auch, weil ich dieses Buch zu einer Zeit gelesen habe, in der solch elementare Fragen in meinem Leben eine große Rolle spielten... Passenderweise bekam ich es zu diesem Zeitpunkt von meinem Onkel geschenkt, der die Buchhändlerin seines Vertrauens gefragt hatte, was man wohl einem jungen Mädel Anfang 20 schenken könne. Volltreffer, würde ich sagen.

Fazit: 4 Sterne!

Alona Kimhi: Die weinende Susannah. ISBN: 3-8333-0027-2

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Freitag, 1. April 2011

[24/31-1] Feuchtgebiete


Tag 24 – Ein Buch, von dem niemand gedacht hätte, dass du es liest/gelesen hast

OK, ich gestehe: Feuchtgebiete von Charlotte Roche steht auch in meinem Bücherregal, und ich habe es gelesen. (Zumindest gehe ich davon aus, dass niemand gedacht hätte, dass ich es gelesen habe...) Passenderweise habe ich erst vor kurzem wieder eine Glosse über den von der Zeit als "Frauen-Porno" betitelten Roman gelesen. Leider hat auch bei mir die Werbetrommel die Neugier gerührt. Ich sage leider, weil ich mich doch sonst so sehr rühme, nicht auf Werbung anzuspringen. Und ich sage leider, weil das Buch in meinen Augen vergeudete Lese-Zeit ist, die man sehr viel wertvoller für andere Bücher hätte nutzen können. Dennoch konnte ich diesen Roman, der die Leiden- und Heilungsgeschichte der 18-jährigen Helen nach einer Hämorrhoiden-OP im Krankenhaus erzählt, nicht ungelesen zurück legen. (Das mag auch daran liegen, dass ich mich generell schwer tue, ein Buch abzubrechen.) Irgendwie ist dieser Roman wie ein Autounfall: Man will nicht hinsehen, kann aber auch nicht mehr wegsehen. Und letztendlich war ich doch bis zum Ende auf der Suche nach der Moral von der Geschicht'. Diese habe ich aber nicht gefunden. Viel mehr hatte ich das Gefühl, dass emotionale Verwirrungen und sexuelle Erfahrungen an den Leser resp. die Leserin gebracht werden sollen, und so innere Zerrissenheit zu überwinden. Aber angeblich liegen in diesem Roman ja keinerlei autobiographische Ambitionen der Autorin vor, obgleich Helen wie sie ein Scheidungskind ist...
So bleibt mir nur die Frage: Was will uns der Künstler damit sagen? In einer sexuell überfluteten Umwelt ist es in meinen Augen kein bahnbrechendes Ereignis, wenn eine weibliche Protagonistin offen über ihre Sexualität spricht (wenn auch ich es befremdlich finde, welch reichen Erfahrungsschatz die 18-jährige an den Tag legt). Roche wurde in Besprechungen dieses Romans häufig in einem Atemzug mit Alice Schwarzer genannt. Nicht unbedingt eine Wendung, die ich in diesem Zusammenhang vermutet hätte. Aber so kann man natürlich auch die Verkaufszahlen antreiben - je weniger Sinn, desto mehr Trommel?

Fazit: 1 Stern!

Charlotte Roche: Feuchtgebiete. ISBN: 978-3-8321-8057-7.

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Nostalgie und Gegenwart-Challenge

Ja, das könnte hier alles wesentlich schneller voran gehen, aus "31 Tagen - 31 Bücher" wird hier allmählich noch nicht einmal mehr eine "31 Wochen - 31 Bücher"-Angelegenheit. Dennoch habe ich mich in den letzten Tagen viel mit Büchern, noch mehr aber mit Blogs über eben jene beschäftigt. Mir war gar nicht bewusst, wie aktiv die Bücher-Blogwelt ist und ich bin erstaunt, über wie viele Schätze ich da mittlerweile gestolpert bin. Ihr findet meine Highlights verlinkt in der Blog-Roll ("Was im Internet gelesen wird...").
Sehr interessant finde ich Challenges zu bestimmten Themen, Seitenzahlen, oder wie man seinen "Stapel ungelesener Bücher (SuB)" am schnellsten verkleinert... Nicht alles löst bei mir den Wunsch aus, gleich mit zu machen, anderes ist schon zu weit fortgeschritten. Aber für eine Challenge habe ich mich nun tatsächlich auch angemeldet, weil ich sie einfach toll finde. Es handelt sich dabei um die von Therry ins Leben gerufene "Nostalgie und Gegenwart?"-Challenge.

Hier die Regeln, zitiert aus Therry's Blog:

"Die Nostalgie-Challenge!

Vorgaben gibt es nur wenige – hier sind die Regeln:

  1. Innerhalb von 12 Monaten (März 2011 bis März 2012) sollen insgesamt 8 Bücher gelesen werden (gerne auch mehr). Der Umfang der Bücher spielt keine Rolle. Dabei handelt es sich um 4 Bücher, die ihr bereits kennt und um 2 Bücher, die ihr noch nicht gelesen habt – die Wahl der verbliebenen 2 Bücher bleibt euch überlassen. Mit den ersteren verbindet ihr im günstigsten Fall schöne Erinnerungen :)
    Ein Beispiel: Ich verbinde mit den Harry Potter Romanen den Großteil meiner Teenager Zeit und habe jedem Erscheinen eines neuen Buches absolut entgegengefiebert. Für mich wäre also Harry theoretisch ein Kandidat für diese Challenge.
  2. Unter den acht Büchern sollen zwei Kinderbücher sein, die ihr als Kinder geliebt habt.
    Beispiel: Bei mir wären das z.B. die ersten Bände der Nesthäkchen Reihe oder Michel von Astrid Lindgren.
  3. Unter den acht Büchern sollen zwei Teenie-Bücher sein, die ihr im Teenager Alter verschlungen habt oder die euch von damals gut im Gedächtnis geblieben sind.
    In meinem Falle z.B. “Wir Kinder vom Bahnhof Zoo”.
  4. Unter den acht Büchern soll ein Kinderbuch sein, das ihr noch nicht kennt.
    Ich habe dafür z.B. den ersten Band der Percy Jackson Reihe in’s Auge gefasst – oder vielleicht doch lieber Artemis Fowl?
  5. Unter den acht Büchern soll ein Jugendbuch sein, das ihr noch nicht kennt.
  6. Als “Beweis” für eure “Leseleistung” schreibt ihr eine Rezension.

Das sind im Prinzip schon alle Regeln."

Ich bin gespannt auf Rückmeldung, werde das Projekt nun aber so oder so durchziehen und euch so ein paar hoffentlich schöne Rezensionen bescheren. Meine Fortschritte findet ihr hier.

Nachtrag zur Challenge
Nachdem ich mich mittlerweile dazu entschieden habe, nicht mehr an Challenges teilzunehmen, weil ich einfach selbstbestimmter lesen möchte, hier mein Endstand zu meinem persönlichen Ende der Challenge
Ziel waren acht Bücher zwischen März 2011 und März 2012. Ich hatte mir folgende Liste vorgenommen, worin ich verlinkt habe, welche Werke ich bereits gelesen und rezensiert habe:
  1. Richard Adams: Unten am Fluss. (bekannt, aber nie zu Ende gelesen)
  2. Jostein Gaarder: Sofies Welt. Roman über die Geschichte der Philosophie. (bekannt)
  3. Kenneth Grahame: Wind in den Weiden. (unbekannt)
  4. Tove Jansson: Mumins lange Reise. (bekannt)
  5. Erich Kästner: Emil und die Detektive. (bekannt)
  6. C.S. Lewis: Die Chroniken von Narnia. (unbekannt)
  7. Philip Pullman: The golden compass. (unbekannt)
  8. Angela Sommer-Bodenburg: Der kleine Vampir. (bekannt)
Bestimmt werde ich auch unabhängig von der Challenge noch lesen, was ich mir da so vorgenommen hatte, das möchte ich aber nicht unter Zeitdruck bis Ende März 2012 machen, sondern einfach dann, wenn mir mal der Kopf danach steht. Dafür habe ich unter 8. gleich sechs Bücher gelesen und hatte daran viel Lesefreude.