A: Oh, guck mal, die neue Maxi ist draußen.
B: Ja, und?
A: Ja, die kannst du dann lesen.
B: Ich les' nie wieder was!
A: Wieso?
B: Ich hab' jetzt Abi, ich muss nicht mehr lesen.
Montag, 30. Mai 2011
[Offtopic] Heute an der Supermarkt-Kasse...
[14/31-2] Verbundene Hobbies?
Oh weh, mit dieser Frage habe ich mal wieder so meine Schwierigkeiten, denn ich stecke in einem ähnlichen Dilemma wie die liebe Momo. Ich habe definitiv zu viele verschiedene Wünsche auf meiner Wunschliste, als dass ich jetzt sagen könnte, welcher von ihnen Platz 1 ist. Durch die vielen abwechslungsreichen Bücher-Blogs kommen ja auch regelmäßig neue Bücher dazu, die ich gern lesen möchte, oder ich stoße beim sonstigen Stöbern ich auf das eine oder andere Buch, und - schwupps - befinden sich 168 Artikel auf meinem Amazon-Bücher-Wunschzettel. Noch Fragen?
Der Bücherkauf ist bei mir durchaus auch stimmungsabhängig. Denn je nach Lust und Laune habe ich gerade mehr Lust auf das eine oder andere Genre (soweit ich überhaupt unter einem Genre-Aspekt lese, das hatten wir ja auch schon einmal) - man sieht das ja auch daran, dass ich so viele Bücher parallel angelesen habe und dann je nach Stimmung in ihnen weiterlese. Umso mehr freue ich mich auch, dass mich in der letzten Zeit so viele unterschiedliche Bücher erreicht haben - sei es über Gewinnspiele, Vorablesen, etc. (Das ist jeweils in der SuB- und Leseliste vermerkt.)
Jedoch - es gibt ein Buch, das möchte ich derzeit schon am meisten unter all jenen, die auf meinem Wunschzettel stehen, insofern wäre es wohl der gebührende erste Platz. Dabei geht es aber mal nicht um das reine Lesevergnügen, sondern um eins meiner weiteren Hobbies: Ich will meinem Lieblingsmenschen eine Trachtenweste stricken - und als geeignete Anleitung wünsche ich mir daher ein Buch mit Strickmustern; um genau zu sein: "Trachtenmode stricken: Pullover, Westen und Socken für die ganze Familie" aus dem Frech Verlag.
Samstag, 28. Mai 2011
[Offtopic] Holunderblüte
Freitag, 27. Mai 2011
[Offtopic] Wochenendversüßung
Und im Laufe des Wochenendes verrate ich euch, was wir hiermit vor haben... Bis dahin dürft ihr gern schon mal raten. ;-)
[13/31-2] Wie ein einziger Tag
Tag 13 - Was war das traurigste Buch,was du je gelesen hast? Und musstest vielleicht auch ein paar Tränchen verdrücken?Achtung, Spoiler!
Dies ist ein ganz besonderer Liebes-Roman, denn er wird aus der Sicht eines Mannes beschrieben. Noah berichtet Allie von ihrer wunderbaren Geschichte, in der für viele Jahre kein Happy-End abzusehen war. In ihrer Jugend lernten sich Allie und Noah kennen. Was als harmloser Ferienflirt begann, wird zu einer heftigen Romanze - doch Allies Abreise bedeutet auch den Abschied von Noah, für 14 lange Jahre. Doch sie kann Noah nie ganz vergessen, selbst als sie kurz vor ihrer Hochzeit mit einem anderen Mann steht. Deswegen möchte sie ihn wenigstens noch einmal sehen. Was sie jedoch nicht gedacht hätte: Sie erkennt, dass Noah ihre einzig wahre Liebe ist, dass sie diesen anderen Mann nicht heiraten kann. Nach vierzehn langen Jahren finden Noah und Allie wieder zusammen und nun scheint endlich alles perfekt!
Doch ihr Glück wird bald von einem neuen Schleier überzogen: Allie erkrankt an Alzheimer und droht, Noah doch noch zu vergessen. Um dies zu verhindern und die Erinnerung an ihre leidenschaftliche und hingebungsvolle Liebe aufrecht zu erhalten, liest Noah seiner Frau an jedem einzelnen Tag aus seinem Tagebuch vor, in dem er ihre ganz persönliche Geschichte festgehalten hat - stets in der Hoffnung, dass Allie sich doch noch an ihre große Liebe erinnert...
Bei diesem Buch handelt es sich zwar nicht um ein trauriges Buch im eigentlichen Sinne, sondern um eine berührende, schöne Liebesgeschichte. Doch die traurige Wirklichkeit der Alzheimer-Erkrankung schwebt dunkel über dieser Geschichte, und ließ mich das eine oder andere Tränchen verdrücken.
Fazit: 5 Sterne!
Nicolas Sparks: Wie ein einziger Tag. ISBN: 978-3-453-13051-0
Und bei welchem Buch hat Momo Taschentücher gebraucht?
[Nostalgie&Gegenwart] Der kleine Vampir in Gefahr
Während Antons Papa nach einer logischen Erklärung für diese Aufnahme sucht (was angesichts der Tatsache, dass auch das Negativ den Sachverhalt nicht anders darstellt, recht schwierig sein dürfte), ist für Antons Mama plötzlich alles klar: Anna und Rüdiger müssen Vampire sein! Und weil sie Angst hat, dass die beiden stets blassen und muffig riechenden Kinder ihren Sohn bereits gebissen haben, schleppt sie Anton zum Arzt, wo ein großes Blut-Bild gemacht wird.
"Ein Blut-Bild?" wiederholte Lumpi und lauschte andächtig dem Klang des Wortes.Wie sich herausstellt, ist mit Anton aber alles in Ordnung. Das bestätigt im übrigen auch ein Kinder-
Dann wechselte seine Stimmung aufs neue und er donnerte: "Wieso die Ärztin? Ich kann mir genausogut ein Bild von deinem Blut machen!"(Sommer-Bodenburg 1993: 55)
Leider läuft es für die Schlottersteins jedoch alles andere als super. Friedhofswärter Geiermeier und sein neuer Gärtner Schnuppermaul haben nämlich beschlossen, dass der verwilderte Teil des Friedhofs neu gestaltet werden soll. Und so beginnen große Maschinen, den hinteren, bisher verwahrlosten Bereich des Friedhofs umzugraben - und kommen dem versteckten Eingang zur Gruft der Familie von Schlotterstein immer näher...
Dieser Band zeichnet sich durch eine recht düstere Atmosphäre aus. Denn die Bedrohung, dass die Gruft der Familie von Schlotterstein entdeckt wird, lässt Anton keine Ruhe. Und die Vampire können nicht lange fackeln. - Kann Anton seinen Freunden helfen? Und wie soll er das anstellen, wo es den Vampiren doch untersagt ist, freundschaftlichen Kontakt zu Menschen zu halten? Eine spannende Fortsetzung der Reihe um den kleinen Vampir, die rasant an Fahrt gewinnt und ganz neue Wege einschlägt - eine tolle Weiterentwicklung.
Band Nummer 6 ist der letzte, den ich in meinem Regal habe. Die Geschichten im Rahmen der Nostalgie&Gegenwart-Challenge mit vielen Jahren Abstand noch mal zu lesen, hat mir sehr viel Spaß gemacht, erinnerte sie mich doch daran, wie sehr ich diese Bücher als Kind verschlungen habe. Heuer interessierte mich vor allem, wie Antons Eltern auf seine ständige Müdigkeit reagieren, seine nächtlichen Ausflüge, bis hin zu Treffen mit Antons neuen Freunden. Schon lustig, wie naiv Eltern in Kindergeschichten dargestellt werden. Aber schließlich sind die Kinder in ihnen die Helden und es wäre ja blöd, würde ihnen von ihren Eltern dazwischen gefunkt...;-) Ich habe jedenfalls Lust, noch weitere Bände vom kleinen Vampir zu lesen, und diese dann vor allem auch mal meinen Kindern weiter zu geben, die sie hoffentlich ebenso gern lesen werden wie ich es als Kind getan habe.
Fazit: 4 Sterne!
Angela Sommer-Bodenburg: Der kleine Vampir in Gefahr. Der kleine Vampir Band 6. ISBN: 978-3-499-20401-2
[Freitags-Füller] #7
2. Ich mag interessante Gespräche und angenehme Gesellschaft.
3. "Vor vielen Jahren" ist eine Redewendung, die mir in letzter Zeit durchaus mal über die Lippen kommt - ein Indiz für's Älter werden? ;-)
4. Heute gibt es Waldmeister-Götterspeise zum nach dem Abendessen.
5. Ich weiß genau, dass ich nicht alles weiß.
6. Dank heute verschriebener Anti-Histaminika ist meine Gräserpollen-Allergie hoffentlich nicht mehr ein Problem.
7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf mein Bett(!), morgen habe ich Besuch von guten Freunden (-freu-) geplant und Sonntag möchte ich meinen HiWi-Stunden Rückstand abbauen!
Und was erwartet euch am Wochenende? Postet es doch einfach hier oder greift euch selbst den aktuellen Freitags-Füller.
Mittwoch, 25. Mai 2011
[Nostalgie&Gegenwart] Der kleine Vampir und die große Liebe
Eines Abends sucht Rüdiger aber doch wieder Antons Freundschaft: Anton soll einen transsylvanischen Abend für Olga ausrichten, damit sie etwas über ihr Heimweh hinweg getröstet wird. Zu seinem Erstaunen erlauben Antons Eltern sogar eine kleine Feier, während sie samstags wie immer ausgehen, aber nur in seinem Zimmer! Zu blöd, dass Olga und Rüdiger aber viel lieber im Wohnzimmer feiern, Musik hören und Konfetti durch die Luft werfen wollen. Und dann kommen Antons Eltern ausgerechnet früher nach Hause als sonst. Da ist Ärger wohl vorprogrammiert...
Eine schöne Fortsetzung der Geschichten rund um den kleinen Vampir, deren Charaktere man mittlerweile so richtig gut kennen gelernt hat. Und mal ehrlich: Eigentlich ist Anton die Hauptfigur dieser Geschichten. Mehr und mehr wird ihm unbehaglich zu Mute, wenn er über die Ernährungsgewohnheiten seiner blassen Freunde nachdenkt. Was, wenn sie ihn doch eines Tages beißen würden? Diese Ambivalenz manifestiert sich mehr und mehr. Aber wenn es drauf ankommt, steht Anton zu seinen Freunden und würde durch dick und dünn mit ihnen gehen.
Fazit: 4 Sterne!
Angela Sommer-Bodenburg: Der kleine Vampir und die große Liebe. Der kleine Vampir Band 5. ISBN: 978-3-499-20389-3
[12/31-2] About a boy
Tag 12 - Welches war dein erstes fremdsprachiges Buch, welches du gelesen hast?Ich bin mir nicht mehr 100%ig sicher, aber ich glaube, das war "About a boy" von Nick Hornby. Wir haben dieses Buch in der neunten Klasse in Englisch gelesen und ich fand es nicht nur toll, sondern auch gut verständlich. Ihr kennt die Geschichte wahrscheinlich auch durch die Verfilmung mit Hugh Grant - "About a boy. Der Tag der toten Ente".
Das Buch handelt vom 36-jährigen Will, seines Zeichens überzeugter Single, der seiner Meinung nach der coolste Typ überhaupt ist - und der Fragebogen, den er zu Beginn des Romans ausfüllt, bestätigt das auch:
"He was, according to the questionnaire, sub-zero! He was dry ice!"Sein Leben könnte nicht besser sein - er ist trendy, unabhängig, und kann seinen Tag gestalten, wie es ihm passt. Das macht er in halbstündigen Blöcken und muss sich dabei auf niemand anderen einstellen, denn durch die Tantiemen aus einem weltbekannten Weihnachtslied, das sein Vater einst geschrieben hatte, ist er finanziell unabhängig. (Nur hören mag er dieses Lied definitiv nicht. Erst recht nicht singen. Und schon gar nicht mit geschlossenen Augen!)(Hornby 2002: 10)
Allerdings wird alles anders, als er auf die Idee kommt, dass er sich als alleinerziehender Vater ausgeben könnte, um Frauen aufzureißen. Ehe er sich versieht, steht plötzlich der aufgeweckte, aber schüchterne Marcus in seinem Leben und hat auch nicht vor, so schnell wieder zu verschwinden, denn in seinen Augen wäre Will ein echt cooler Vater-Ersatz und wenn er außer seiner Mutter noch eine weitere Person in seinem Leben hätte, wäre das einfach viel besser, denn seine Mutter ist schwer depressiv und ihr erster Suizid-Versuch hat Marcus gehörig wach gerüttelt...
Ein wunderbarer Roman über Freundschaft, Hilfsbereitschaft und Vertrauen.
Fazit: 4 Sterne!
Nick Hornby: About a boy. ISBN: 978-3-464-37164-6
Bei dieser Frage bin ich ganz besonders (sofern das noch zu steigern ist) auf Momos Antwort gespannt, da sie ja ohnehin sehr viele englische Bücher liest.
Sonntag, 22. Mai 2011
[11/31-2] Staubige Hölle

Ich möchte nicht pauschal "der beste" Buchanfang aller Zeiten auf immer und ewig sagen, aber: Mich hat eine Leseprobe bei Vorablesen vor Kurzem wahnsinnig umgehauen und total neugierig auf das Buch gemacht. In der Verlosung der Vorab-Exemplare hatte ich leider kein Glück, will es mir aber unbedingt bald selbst kaufen. Was mich so umgehauen hat? Nun, ich habe ganz einfach selten ein Buch gelesen, das in den ersten Kapiteln bereits so auf den Punkt kommt, in dem die Charaktere so ausgefeilt vorgestellt werden, dass man gleich ein Bild der Handlung im Kopf hat - und dabei sprachlich so ausgefeilt, dass es sich wunderbar spannend liest. Ein absolut grandioser Einstieg, der mich enorm neugierig gemacht hat!
Aber lest selbst...
Und, welches Buch ich auch bereits mit seinem Anfang wohl auf ewig in allerbester Erinnerung behalten werde, ist und bleibt "Die Bücherdiebin".
Roger Smith: Staubige Hölle. ISBN: 978-3-608-50210-7
Markus Zusak: Die Bücherdiebin. ISBN: 978-3-7645-0284-3
Und welcher Buchbeginn gefällt Momo besonders gut?
Schmetterlingsgeschichten. Chronik I - Genug geschlafen
In unserem Universum tobt der Kampf zwischen Gut und Böse. Und die Menschen wurden im Laufe der Geschichte immer wieder in diesen Sog hinein gezogen. Doch die Ritter der Blauen Rose stellten sich der Gefahr, die von den Nila ausgeht - den Anhängern der Nila wäre es am liebsten, dass alle(!) Ritter des Universums ausgelöscht werden, und damit die Vertreter des Guten. Bisher haben die Ritter jedoch immer die Gefahr des Bösen abwenden können, bis sie sich eines Tages schlafen legten und erst wieder aufwachen würden, wenn es die Menschen wieder Wert seien, dass man das Gute in ihrem Namen verteidigt... Und dieser Moment ist nun gekommen: Pharso, der Vorsitzende des Ritter-Rates, befindet sich auf einer wichtigen Expedition zum Blauen Planeten Erde, wo gerade mehr und mehr Ritter ihre alten Fähigkeiten wieder erlangen. Der kleine Sebastian zum Beispiel ist unverwundbar und kann Dinge durch pure Willenskraft bewegen. Die knallharte Soldatin Sarah kann zwar verwundet werden, doch die Heilung geht unfassbar schnell vonstatten. Zudem kann sie kraft ihrer Gedanken ihre Mitmenschen steuern. Und Sebastians Lehrer Jens kann die Zeit anhalten. - Nur: Wie begreift jemand solche undenkbaren Fähigkeiten, war er doch gerade noch ein ganz normaler Mensch wie du und ich?Zum Glück gibt es die vielen Schmetterlinge, die der Adept Garth erscheinen lassen kann. Jeder Ritter hat seinen persönlichen Schmetterling, der die neu entdeckten Fähigkeiten mit seinem Ritter trainiert, ihn über seine Eigenschaften aufklärt und so ganz langsam an die jahrhunderte alte Geschichte des Ritter-Ordens heran führt... Wenn die Schmetterlinge gerade nicht um ihre Ritter umher schwirren, fliegen sie zu Stephanus, dem Chronisten, der die Geschichte der Ritter auf der Erde seit Anbeginn der Zeit niederschreibt. Täglich erstatten die Schmetterlinge ihm Rapport, sofern die Ritter wach sind - und derzeit kann sich Stephanus vor Schlange stehenden Schmetterlingen kaum retten. Einerseits freut es ihn, dass die ihm lieb gewordenen Charaktere wieder erwacht sind, er wieder an ihren Schicksalen teil haben kann. Doch andererseits weiß er auch, was dies bedeutet: Der Kampf zwischen Gut und Böse wird in eine neue Runde gehen...
Der erste Teil der Schmetterlingsgeschichten führt auf amüsante Weise in die Geschichte der Ritter der Blauen Rose ein: Denn zunächst weiß der Leser gar nicht, wie ihm geschieht. Da erhält er immer wieder Einblick in das Leben verschiedener Menschen, die in keinerlei Beziehung zueinander zu stehen scheinen, und ganz langsam fallen ihm die umher schwirrenden, aber zunächst stummen Schmetterlinge auf. Schließlich darf der Leser beobachten, wie diese Menschen ganz allmählich erkennen, dass sich etwas verändert hat, dass sie plötzlich Fähigkeiten besitzen, die sie sich nicht erklären können. Und im Wechsel damit blickt er dem Chronisten Stephanus über die Schulter und erfährt allmählich, was es mit den Schmetterlingen auf sich hat. Und in einem weiteren Erzählstrang nimmt er teil an der Expedition des Ritter-Rates zur Erde, wo die neuerwachten Ritter in Empfang genommen werden sollen. Ja, und dann sind da auch noch die im Geheimen wirkenden Nila, die natürlich auch schon erfahren haben, dass sich etwas verändert hat - nur was, und wo, das wissen sie zunächst noch nicht so genau, schließlich wurde die Erde in weiser Voraussicht sorgfältig abgeschirmt und von sämtlichen Karten entfernt, um die Ritter zu schützen...
Eine sehr spannende Geschichte, die nach den ersten paar Seiten so richtig an Fahrt gewinnt und die verschiedenen Erzählstränge mehr und mehr zu einem großen roten Faden spinnt. Und es sind vor allem die Schmetterlinge, die der Geschichte eine wunderbare Portion Humor mit auf den Weg geben. Ich habe beim Lesen dieses leider nur 166 Seiten umfassenden Büchleins so häufig geschmunzelt oder gar laut aufgelacht, dass ich bei meiner besseren Hälfte bereits für große Neugier auf dieses Buch gesorgt habe. Und zugleich ist diese Geschichte einfach spannend und von einem schönen Grundgedanken durchzogen: Die Menschen erinnern sich an die Geschichte der Ritter. Sie erzählen sie sich in zahlreichen Märchen. Sie wissen nur nicht, dass die Märchen wahr sind... Und ich muss sagen, dass ich mich in die vielen Schmetterlinge verliebt habe, die alle so unterschiedliche Charaktere haben und durch ihren Witz bestechen. Ein toller Auftakt, der Lust auf mehr macht!
Fazit: 4,5 Sterne! *
Alexander Ruth: Schmetterlingsgeschichten. Chronik I - Genug geschlafen. ISBN: 978-3837036367
* Ich habe noch nie halbe Sterne vergeben, und das passt auch gar nicht so richtig in mein Bewertungsschema, aber ich muss hier einfach einen Abzug machen, denn so schön ich die Geschichte auch finde, habe ich mich doch immer wieder geärgert: Das Buch ist vor allem als Jugendbuch ausgewiesen, und da besteht in meinen Augen eine noch größere Vorbildfunktion, als ohnehin. Ich will euch auch gleich erklären, was ich damit meine, möchte dazu jedoch etwas ausholen. Kennt ihr Bastian Sicks "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod"? In den Büchern, die auf seiner regelmäßigen Kolumne bei Spiegel-Online basieren, deckt er immer wieder sprachliche Ungereimtheiten auf, die sich in unsere Alltagssprache eingeschlichen haben. Mittlerweile zieht die sprachliche Unsauberkeit so große Kreise, dass selbst Nachrichtensendungen und Zeitungen hoher Auflagen nicht davor gefeit sind, mit grammatikalischen Fehlern und falschen Ausdrücken Zuhörer und Leser zu verwirren. So etwas ärgert mich! Und gerade bei einem Buch, das vor allem Jugendliche lesen sollen, darf es in meinen Augen einfach nicht passieren, dass auf beinahe jeder zweiten Seite mindestens ein Zeichensetzungsfehler auftaucht! Viele Wörter, die einen Doppelkonsonanten besitzen, sind mit nur einem Konsonanten geschrieben (z.B. "Naturel" anstelle von "Naturell"), der Genitiv wird nicht richtig benutzt, Relativ- und dass-Sätze werden vertauscht - und mir rollen sich die Fußnägel auf. Dass manche Sätze mit ".!" enden, ist dann nur noch luxuriöse Mäkelei...
Ich will nicht behaupten, dass ich keinerlei Tippfehler machen oder umgangssprachlichen Ausdrücken nicht selbst auf den Leim gehen würde, aber diesem Roman fehlt eindeutig ein vernünftiges Lektorat! Noch dazu wird nicht wenigstens alles konsequent falsch gemacht, sondern zwischendurch auch mal wieder richtig. So zum Beispiel bei der Wiedergabe wörtlicher Rede - da steht meistens:
"Satz, der eine Frage beinhaltet?", fragte er.und manchmal:
"Satz, der eine Frage beinhaltet", fragte er.Als Beispiel für diese Inkonsistenz kann ich euch auch gleich auf das gepostete Zitat von gestern verweisen... Wie macht man das richtig? Das Komma nach der wörtlichen Rede wird nur dann gesetzt, wenn die wörtliche Rede nicht selbst bereits mit einem Satzzeichen beendet wird.
Natürlich bietet unsere Sprache genügend Tücken und Stolperfallen. Aber gerade deshalb ist es so wichtig, dass Bücher, Zeitungen, Nachrichtensendungen, etc. sie richtig wiedergeben. Woran soll sich der Leser denn sonst noch orientieren? Denn seien wir doch einmal ehrlich: Allein der Deutschunterricht macht uns doch nicht zu versierten Schreibern, sondern unsere Erfahrung im Umgang mit Sprache. Also, bitte, ein bisschen mehr in ein vernünftiges Lektorat investieren!
Samstag, 21. Mai 2011
Schweinsgalopp
Obgleich das Titelbild zwei Romane der bizarren Scheibenwelt verspricht, liegt mein Fokus in dieser Rezension auf nur einem aus diesem Band, nämlich "Schweinsgalopp" (die "Fliegenden Fetzen" SuBben noch etwas vor sich hin).Von meiner Vorliebe für den TOD-Zyklus hatte ich euch ja bereits berichtet, und so war es auch dieses Mal ein Band, in dem TOD in den Fokus rückt, den ich unter all den Scheibenwelt-Romanen bevorzugt habe, während noch viele weitere auf meinem SuB liegen bzw. darauf landen werden. Und wieder mal ist TOD verhindert. Während er in allen anderen Scheibenwelt-Romanen ja auch vorkommt, dort aber ganz regulär seinem Geschäft nachgeht, sind es immer wieder die Bände, in denen er selbst die Hauptrolle übernimmt, die Zweifel an der regelmäßigen Ausübung seiner Aufgabe aufkommen lassen. (Wobei nun freilich die fast philosophische Frage aufgeworfen werden kann, ob TOD nicht in gewisser Weise immer die Hauptrolle spielt, auch außerhalb der Scheibenwelt-Romane...)
Nachdem TOD nun bereits einen längeren Urlaub, eine vorübergehende Entlassung und eine tiefe Sinnkrise hinter sich hat, hindern ihn nun jedoch ganz andere Dinge an seinem Tagesgeschäft: Der Schneevater, so etwas wie Santa Claus, ist verschollen. Irgendwie haben damit wohl schon wieder die Revisoren zu tun, die das Lebende einfach nicht ausstehen können, da es unberechenbar ist. (Die Revisoren muss man sich als verkörperte Naturgesetze vorstellen.) Sie waren es ja auch, die TOD in "Alles Sense" entlassen hatten. Aber auch die Zahnfee spielt eine nicht unwesentliche Rolle - welche, das findet TODs Enkelin Susanne heraus, der es eigentlich so gar nicht passt, dass sie schon wieder für ihren Großvater einspringen muss, der in ihren Augen immer seltsamer wird und die Welt einfach nicht versteht und akzeptiert, wie sie ist. Wenn sie sich da mal nicht gehörig täuscht!
Abermals ein sehr weiser Roman von Pratchett, der eben nicht nur eine lustige Fantasy-Geschichte ist, sondern so viele grundlegende Fragen der Menschheit behandelt: Wer oder was wären wir, wenn wir nicht mehr glaubten? Was geschähe mit unserer Welt, beraubte man uns dem Gefühl, dass es eine Richtigkeit im Universum gibt, die wir nur nicht verstehen (können)? Und so ganz nebenbei wird die Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes in mehr als nur einer Szene gehörig auf die Schippe genommen...
Fazit: 5 Sterne!
Terry Pratchett: Schweinsgalopp / Fliegende Fetzen. Zwei Scheibenwelt-Romane in einem Band. ISBN: 978-3-442-13468-7.
[Zitate] I want to believe *
Alexander Ruth: Schmetterlingsgeschichten. Chronik I - Genug geschlafen. ISBN: 978-3837036367Toll, die waren garantiert nicht zu beneiden bei der ESA. Da ruft dann tatsächlich ein Sprecher des Senders bei denen an, und fragt allen Ernstes, ob man ein Raumschiff hinter dem Mond beobachtet hätte. Hehe, die sollten aus reinem Spaß mal "Ja, klar. Aber das ist schon länger da. Ist ihnen das erst jetzt aufgefallen?", antworten. Die Gesichter sollte man mal sehen.(Ruth 2010: 76)
* In Anlehnung an dies.
[Zitate] Pärchenbildung
"Hört mal alle her! Jetzt hört doch mal alle zu! Hallo! Zuhören!!"Alexander Ruth: Schmetterlingsgeschichten. Chronik I - Genug geschlafen. ISBN: 978-3837036367
Es kehrte ein wenig Ruhe in die Schmetterlinge ein. "So, ihr wisst, warum ich mit den anderen hier bin?", fragte Garth. Ein bejahendes Gemurmel ging durch die Reihen. "Ah, sehr gut. Also, passt auf. Um die Arbeit der anderen Expeditionsteilnehmer ein bisschen zu erleichtern, wäre es sinnvoll, ihr würdet uns ein wenig helfen. Könntet ihr auf diesem Planeten rumfliegen und uns bei der Suche helfen, indem ihr einfach eure Augen offen haltet und uns informiert, wo die Ritter sind?" Ein jubelndes Gekreische war die Antwort. Da kam ein älterer Schmetterling zu Garth geflogen. Die anderen wurden ruhig und schauten angespannt zu ihnen hin. "Dürfen wir auch zu zweit fliegen?", fragte er Garth. "Natürlich!", war seine Antwort. Jubel erfüllte die Luft. Da kam ein jüngerer Schmetterling zu ihm hin.
Wieder kehrte Ruhe ein. "Dürfen wir auch mit unserer Freundin fliegen", fragte er Garth und schaute zu einem Schmetterlingsmädchen, das in diesem Moment knallerot wurde und angespannt auf die Antwort wartete. Ihr Vater, der neben ihr flog, war alles andere als begeistert. "Na, klar. Viel Spaß", sagte Garth und die Schmetterlinge fingen vor Freude an, zu singen. Da kam ein sehr alter Schmetterling zu ihm geflogen. Es wurde Mucksmäuschenstill. Er räusperte sich, bevor er seine Frage stellte, und die anderen Schmetterlinge wurden nervös. Er flog noch etwas näher an Garth ran, bis er fast auf seiner Nase saß und fragte:
"Müssen wir auch mit unserer Frau fliegen?"
Grölendes Gelächter brach unter den Schmetterlingen aus. Sie jubelten und sangen ein herrliches Schmetterlingslied, während Frau Schmetterling mit einem winzigen Blatt, das einem Besen glich, auf den alten Schmetterling einhieb.(Ruth 2010: 41)
Freitag, 20. Mai 2011
Vater, Mutter, Tod
Eins vorweg: Wer sich davon verabschiedet, dass es sich bei diesem Buch tatsächlich um einen Thriller handelt, der bis zum Ende einen atemberaubenden Spannungsbogen hält, sondern dieses Buch als einen spannenden, durchaus auf seine eigene Weise mitreißenden und fesselnden Roman betrachtet, der einen packenden Einblick in die menschliche Psyche gibt, der ist bei diesem Buch genau richtig!Es gibt Bücher, bei denen kann man die letzte Seite nicht erwarten, weil man es dann endlich zu Ende gelesen hat. Und es gibt solche, bei denen man traurig ist, wenn man die letzte Seite erreicht hat, weil das Gelesene noch unwahrscheinlich lange nachklingt und man sich fragt, was wohl mit den Charakteren geschehen mag. Hier haben wir keine Charaktere, die aufgrund ihrer Sympathie so sehr in ihren Bann ziehen. Viel mehr tun sie es, weil der Einblick in ihr Seelenleben tief betroffen macht, und mich sehr interessieren würde, wie solchen Fällen geholfen werden kann, sofern sie nur Hilfe annehmen wollen...
Im Prolog erhalten wir Einblick in eine Familie, in der Gewalt an der Tagesordnung steht. Und die Frau ohne Namen setzt sich einfach nicht gegen ihren Mann durch, lässt sich von ihm wieder und wieder schlagen, erträgt seinen Alkoholismus und geht einfach nicht. Ihr einziger Gedanke ist es, ihren Sohn zu schützen, der mit seiner Spongebob-Figur in der Hand am Küchentisch sitzt und vor Schreck über den neuerlichen Ausbruch seines Vaters eine Müsli-Schale zu Boden fallen lässt. Die Situation eskaliert: Der Junge fällt ins offene Messer und stirbt.
Im nächsten Kapitel beginnt Jacquelines Berichterstattung: Jacqueline hat ein tolles Leben. Sie ist eine erfolgreiche Archtektin, hat eine liebreizende Familie und lebt in einem Einfamilienhaus in Kleinmachnow. Doch es zieht ein Schatten über ihr eigentlich perfektes Leben: Immer häufiger hat sie dramtische Aussetzer, findet sich nicht mehr in ihrer Umwelt zurecht, vergisst, wo sie ist, vergisst, was war. Ihr liebevoller Mann Rene macht sich zunehmend Sorgen um seine Frau, und spricht ein Thema an, das niemand gern mit Mitte 30 auf dem Plan hat: Alzheimer? Hirntumor? Oder einfach nur Überarbeitung? Alles dreht sich, alles wird chaotisch, alles wird beängstigend. Und dann diese rothaarige Frau, die Jacqueline plötzlich überall begegnet, sie regelrecht verfolgt. Und diese Medikamente, die ihr Rene anscheinend immer wieder unterjubelt. Und immer wieder die Erinnerung an eine zerbrechende Müslischale und einen Messerschnitt am Bauch... Gut, dass ihr Sohn sich nicht an den Scherben oder dem Messer verletzt hat. Ihre Schnittwunde würde schon bald wieder verheilen. Auch ihr Kopf?
Die weitere Handlung springt immer wieder zwischen den Zeiten (binnen einer Woche) und wechselt mit Jacquelines Berichterstattung. Sie läuft schließlich auf die Katharsis zu - und hier hilft uns der Fremdwörterduden weiter, falls das Wort in seinem psychologischen Sinne nicht bekannt ist:
"Katharsis (..) die; - [gr.: (kultische) Reinigung] (..) 2. (Psychol.) das Sichbefreien von seelischen Konflikten u. inneren Spannungen durch eine emotionale Abreaktion."Vielleicht ist damit schon viel zu viel gesagt, doch gerade dies macht den erschreckenden, den fesselnden Teil dieses Buches aus. Wie reagieren Menschen darauf, wenn ihnen das Liebste genommen wird? Ein Roman, der eine erschreckende Sicht in das Innenleben einer von Verzweiflung gebeutelten Frau wirft, die freilich nicht durch Sympathiepunkte besticht, aber die den Leser mit krankem Interesse packt, wenn er erst einmal begreift, was in dieser Geschichte eigentlich los ist.(Duden Fremdwörterbuch 2005: 518)
Spätestens ab dem zweiten Drittel ist klar, was passiert ist und wie die Fäden zusammen hängen. Aber es stellt sich doch immer noch die Frage, wie Jacquelines Katharsis tatsächlich aussieht, was mit dem kleinen Jungen der rothaarigen Frau passiert, und warum der ermittelnde Kommissar Manthey so unglaublich emotional auf diesen Fall reagiert.
Ich sage: Wow, und danke dem Vorablesen-Team für dieses Exemplar, dessen erschreckender Inhalt mir noch gewaltig im Kopf herum schwirrt und mein Interesse an der Psychologie hinter dieser Geschichte erst geweckt hat.
Fazit: 5 Sterne!
Siegfried Langer: Vater, Mutter, Tod. ISBN: 978-3-548-61051-1
[10/31-2] Perfekte Momente
Ach, mein übliches Problem...ich lege mich ungern so dermaßen fest - der, die, das Beste aus welcher Grundgesamtheit? Ich habe auch einfach noch zu wenig Bücher gelesen [sic], um das ein für alle Tage so festlegen zu können und selbst dann wäre es doch so subjektiv, dass wir uns darüber auch die Haare ausraufen könnten. Aber weil es die Frage so fordert, hier einer der letzten Sätze, die ich in der letzten Zeit ganz toll fand:
"Selbst mit Nougat kann man einen perfekten Moment haben."Tja und dabei habe ich das Buch noch nicht einmal zu Ende gelesen. Aber mein ebenfalls lesebegeisterter Lieblingsmensch hat es schon durchgelesen und mir diesen letzten, doch sehr amüsanten Satz vorgelesen. Das Gute daran: Er gibt mir wahrlich keinerlei Aufschluss darüber, wie die Geschichte selbst wohl ausgeht. ;-)(Pratchett 2004: 379)
Terry Pratchett: Der Zeitdieb. Ein Scheibenwelt-Roman.
Und was sagt Momo dazu?
[Freitags-Füller] #6
2. Vieles, was mein Lieblingsmensch in der letzten Zeit gekocht hat, ist das beste, was ich in der letzten Zeit gegessen habe - da kann ich mich gar nicht so fest legen (Spargel, Rehrücken, ...).
3. Wenn ich so neben mich schaue, liegt hier noch ein Buch, das ich heute auf jeden Fall noch rezensieren möchte, und mir fällt auf, dass meine Tee-Tasse leer ist. Das muss ich fix ändern!
4. Ich war so gespannt auf das Ende meines letzten Buches, aber dann war ich auch traurig, als es vorbei war.
5. Es gibt Leute, die bewundere ich dafür, wie leicht ihnen (scheinbar?) alles fällt.
6. Ich bin ein riesiger Fan der Nichtlustig-Cartoons, ich finde das die immer zu komisch.
7. Was das Wochenende angeht, heute Abend Nachmittag freue ich mich auf Hunde-Sitting und bin gespannt, ob heute abend dann Thairobics stattfindet, morgen habe ich einen ruhigen Tag mit etwas Uni-Wiederholung geplant und Sonntag möchte ich wenig tun und einfach die freie Zeit genießen. (Und leckeren Fasan-Braten essen...hmmmm! Freu)
Und was erwartet euch am Wochenende? Postet es doch einfach hier oder greift euch selbst den aktuellen Freitags-Füller.
Donnerstag, 19. Mai 2011
Fausto
Joseph, Joschel, Fittich hat es echt nicht leicht. Als 14-jähriger Teenager, dessen Mutter nicht viel von Privatsphäre hält, aber ach-so-verständlich mit der bevorstehenden Pubertät ihres Sohnes umgeht, könnte man meinen, sei er zur Genüge gestraft. Aber es kommt noch besser: Alle paar Jahre erfindet sich seine Mutter neu - was sich in unterschiedlichster Weise äußert:Seit Hanne letztes Jahr von einem Erziehungs- und Selbstfindungsseminar im Weserbergland zurückgekehrt ist und wir nach Hannover gezogen sind, spricht sie vermehrt im Konjunktiv und lässt sich von mir Hanne nennen, nicht mehr Mama.Noch schlimmer ist aber, dass mit ihren Selbstfindungs-Trips meist größere Umzüge verbunden sind. Joschel war schon auf so vielen Schulen, dass er sich allmählich beinahe daran gewöhnt hat, immer der Neue, Andere zu sein - Hauptsache, alle anderen Schüler lassen ihn zufrieden. Blöderweise ist die 9c, in der er in diesem Schuljahr gelandet ist, so eine richtige Streberklasse und er fällt mit seiner Rechtschreibschwäche immer wieder negativ auf, was vor allem an seinem tyrannischen Deutschlehrer, Herrn(Dierssen 2011: 14)
Alles scheint sich jedoch zum Besseren zu wenden, als Markus Jahnke in Josephs Klasse kommt. Der kann Streber nämlich auch nicht leiden und freundet sich gleich mit dem rechtschreibschwachen Joseph an. Nur, wie will Joseph seinem neuen Freund diesen unfassbar genialen Aufsatz erklären, den er in seinem Deutschheft findet? Herr Kattmann ist zunächst skeptisch, dann hellauf begeistert, ein so großes Talent in seiner Klasse zu haben. Größer noch als Udo-Kieron Dörting, dessen Ego die neue Konkurrenz gar nicht verträgt.
Joseph kann sich den Aufsatz ja selbst nicht erklären. Doch eines Tages raschelt es plötzlich unüberhörbar unter Josephs Bett. Und was da zum Vorschein kommt, kann er zunächst gar nicht fassen: Ein kleines, behaartes Etwas, das gerade so groß ist, um in seiner Handfläche Platz zu finden, hat sich unter Josephs Bett verirrt, und stellt sich vor als Fausto Flamingo Esteban de Rioja, seines Zeichens Bücherdämon. Und was frisst so ein Bücherdämon? Richtig: Rechtschreibfehler. Und weil Josephs Aufsatzheft anschließend so blank war, hat Fausto kurzerhand einen neuen Aufsatz hineingeschrieben.
"Rechtschreibfehler, alles klar", murmelte ich. "Kannste haben. Da bist du bei mir an der richtigen Adresse."Plötzlich beginnt sich sogar die schüchterne Canan für Joseph zu interessieren... Alles scheint wunderbar. Doch dabei fangen Josephs Probleme jetzt erst so richtig an!
Blitzschnell riss das Ding mein Deutschheft hoch, zog den Umschlag auf wie eine Tür und verschwand zwischen den Seiten, patschte mit den kleinen Pfoten hinter sich und klappte das Heft zu, als wäre nichts geschehen. Alles schien wieder ganz normal zu sein, vollkommen harmlos.
Alles, bis auf das beständige Zittern der Seiten und das gierige Schmatzen aus der Tiefe meines Deutschheftes.(Dierssen 2011: 73)
Ein sehr schöner, und lustiger Jugendroman, der viele Seiten voller Lesevergnügen bietet. Man kann sich so gut in den unsicheren, nach Gerechtigkeit lechzenden Joschel hinein versetzen, und merkt zugleich, dass das Buch natürlich von einem Erwachsenen geschrieben wurde, der seinem Helden eine viel zu erwachsene Ausdrucksweise mit auf den Weg gegeben hat. Macht aber nichts - denn so oft, wie man bei dieser Lektüre laut auflachen kann, ist der Spaß auf der Seite des Lesers. Und obgleich es sich natürlich nicht um einen mitreißenden Thriller handelt, so wird die Geschichte zu ihrem Ende hin doch immer spannender und macht von Seite zu Seite neugieriger auf ihr Ende. Eine süße Geschichte, die mit Sicherheit auch eine tolle Urlaubslektüre hergibt - mir hat sie zumindest die eine oder andere Stunde des Alltags-Urlaubs ermöglicht. Umso mehr gilt mein Dank nochmals Nina von Libromanie, bei der ich diesen tollen Roman gewonnen habe.
Fazit: 4 Sterne!
Oliver Dierssen: Fausto. ISBN: 978-3-453-26001-6
Mittwoch, 18. Mai 2011
[Gewinnspiel] And the winner is...
Leider kann ich euch nicht allen ein Exemplar des Romans schicken, und das Los konnte nur auf eine von euch fallen. Ich danke euch aber allen ganz herzlich für eure Teilnahme und die vielen lustigen Ferienerlebnisse, die ihr hier mit uns allen geteilt habt!
Dienstag, 17. Mai 2011
[9/31-2] Evolutionäre Panne
In der letzten Zeit habe ich begonnen, immer wieder Zitate aus Büchern hier einzustellen, die mir besonders gut gefallen haben, sei es, weil sie mich besonders zum Lachen brachten, oder nachdenken ließen. Insofern gehören diese durchaus bereits zur Antwort auf diese Frage.
Aber ein weiteres Zitat, das ich vor einigen Jahren ungezählte Male anführte, in meinem Kopf herum geistern hatte und bis heute nicht vergessen konnte, das muss ich hier unbedingt auch vorstellen - und, wow, danach musste ich sehr lange suchen. Dieses Zitat habe ich eigentlich schon gesucht, als ich euch Alona Kimhis "Die weinende Susannah" vorgestellt habe, aber auch mehrmaliges Durchblättern des Buches führte mich nicht zum Ziel. Nun endlich habe ich es wieder gefunden:
"Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass jemand dir Schmerz zufügen und Hilflosigkeit in dir hervorrufen kann, ohne dass es irgendeine Wirkung zeigt und zum Auslöser wird, diesen Jemand zu hassen. Oder ihn zu vergessen. Das ist eine Panne. Eine evolutionäre Panne, die ausschließlich bei den Menschen vorkommt, den entarteten Kindern der Natur." (Kimhi 2004: 47)Alona Kimhi: Die weinende Susannah. ISBN: 3-8333-0027-2
Seht hier, welche Schätze Momo hebt...
Sonntag, 15. Mai 2011
American Hero
In Larry Beinhart's novel George Herbert Walker Bush has exactly this problem. But his consultant has THE idea to help his boss - shortly before he dies he writes a memo, that will have disastrous effects on the future of the United States.
"When all seems like it might be lost, and there are no other options, go to war. It is the classical response to insoluble domestic problems. (...) Find someone who has the gut instincts, the style, the sheer artistry, to create a war that America can love - on television.And so does Bush. He engages David Hartman, the most talented agent of Los Angeles, who is to find a director for this war: John Lincoln Beagle. He develops a concept for a scenario that will make Bush America's hero. In order to achieve that he refers to World War II and creates a parallel situation (like Hitler invading Poland).
Then you will win."
(Beinhart 1993: 114)
"We start with an INVASION. Sudden. Unexpected. (...) Their leader is another HITLER. A new Hitler. In recent years there've been several people labeled Hitlers. But they've only operated in their own countries. This guy is different, he's bent on CONQUEST. This invasion is only the beginning. Once upon a time, we would have been slow to understand that, we would have said, 'None of our business.' We would have sat back and waited - until they bombed Pearl Harbour. But not now. Because we have a LEADER who has learned from history. If we's stopped Hitler in Czechoslovakia and Japan in Manchuria, there would have been no World War II. So not this time, buddy. This time: NO APPEASEMENT."But who shall this "new Hitler" be? Bush has an idea: He offers his friend Saddam Hussein the possibility of having a fair war. Hussein shall attack Saudi Arabia and threaten Iran to be next.
(Beinhart 1993: 253-254)
"You see what I'm saying here - this is someone we can deal with. We can say to Saddam Hussein, 'How about invading someplace - you'll look like a hero to the Arab world, as big as Hitler even.' Then we'll have a war, and may the best man win."Bush is sure that Hussein likes a good fight - and he is right. Hussein agrees to this idea as long as he will stay alive under all circumstances and will get money and access to western technology.
(Beinhart 1993: 260)
Everything could work out right, but there is an actress (Magdalena Lazlo) who was promised to get a role in Beagles next movie which is not possible anymore due to this "top secret" undertaking. Not willing to accept being rebuffed, she engages Joe Broz in order to find out what Beagle is really working on. Broz himself works for Universal Security (U.Sec.). This company, however, is to watch everybody who knows about the memo - Joe Broz doesn't know that and shortly after accepting Lazlo's offer to work for her he himself is being watched by U.Sec.
The more he finds out, the more his life is threatened. He calls his friend Steve for help - to protect Magdalena Lazlo. Finally Broz discovers what Beagle is working on. Now he is an enemy to the state, he and his fellowship could present the results of his investigations publicly.
Ein fiktiver Roman, der zugleich die Frage aufwirft: Wie fiktiv ist die Geschichte wirklich? Es gibt sogar Stimmen, die sagen, dass sie, obwohl sie als Soldaten im 1. Golfkrieg kämpften, nach der Lektüre dieses Buches darüber ins Grübeln gerieten, wie real dieser Krieg tatsächlich war. Definitiv ein spannender Roman, der die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten der Politikführung ins Rampenlicht rückt... Und zugleich ist es super spannend nachzuvollziehen, wie der tatsächliche Plan gefasst wird, nachdem zahlreiche Szenarien entworfen und gegeneinander abgewogen werden!
Fazit: 5 Sterne!
Übrigens wurde Beinharts Roman auch verfilmt, dort allerdings nicht auf reale Personen bezogen. Nichtsdestoweniger ein sehr sehenswerter Film: "Wag the Dog - Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt", der mit Dustin Hoffmann, Robert De Niro und Anne Heche eine Top-Besetzung bietet und von Mark Knopfler zudem eine geniale musikalische Untermalung erhielt (der auf Youtube aber nicht mehr zu lauschen ist...)!
Larry Beinhart: American Hero. ISBN: 0-345-36663-8
[8/31-2] Zitatesammlung
Zur Feier des Sonntags mache ich das mal nicht nur für das aktuell am aktivsten gelesene Buch, sondern tatsächlich für alle, die ich gerade angelesen habe...
"Now, when I go for walks, sometimes in the mornings when the frost has put its shiny thumbprint on the undergrowth or sometimes, though less frequently, yet more enticingly, in the evenings when the cold darkness settles down, I always go to the Erl-King and he lays me down on his bed of rustling straw where I lie at the mercy of his huge hands."Angela Carter: The Bloody Chamber and Other Stories. ISBN: 9780099588115(Carter 2006: 100)
"Es wurde allmählich Zeit, dieses Gespräch abzukürzen, bevor ich wieder mit der Stammelei anfing."Oliver Dierssen: Fausto. ISBN: 978-3-453-26001-6(Dierssen 2011: 100)
"Ich hatte gerade noch Zeit, Betty mitten um den Körper zu packen, bevor sie völligen Mist baute."Philippe Djian: Betty Blue. 37,2° am Morgen. ISBN: 978-3-257-21671-4(Djian 1988: 100)
"Then it struck him: she had not come out of nowhere, she had come from within."Patricia A. McKillip: The Tower at Stony Wood. ISBN: 0-441-00733-3(McKillip 2000: 100)
"So soll der erste große Brand von Buchhaim entstanden sein."Walter Moers: Die Stadt der träumenden Bücher. ISBN: 978-3-492-24688-0(Moers 2008: 100)
"Jeremy lächelte noch immer, aber sein Lächeln wirkte irgendwie gläsern."Terry Pratchett: Der Zeitdieb. Ein Scheibenwelt-Roman. ISBN: 978-3-442-45739-7(Pratchett 2004: 100)
"Die Höherentwicklung der Säugetiere zu Affen, Menschen und Menschenaffen bereicherte die Evolution durch neue Gesetze."Richard David Precht: Die Kunst, kein Egoist zu sein. Warum wir gerne gut sein wollen und was uns davon abhält. ISBN: 978-3-442-31218-4(Precht 2010: 100)
"Doch sein Vater ließ sich nicht beirren."Angela Sommer-Bodenburg: Der kleine Vampir und die große Liebe. ISBN: 978-3-499-20389-3(Sommer-Bodenburg 1993: 100)
Mei, das war knifflig. Ein Glück führe ich eine SuB-Liste, in der ich trenne, was bereits angelesen ist. Das sind ja mittlerweile so viele, dass man fast den Überblick verlieren kann... Falls ihr euch nun fragt, warum um alles in der Welt ich gleich in so vielen Büchern parallel herum lese, ist das wohl berechtigt. Als Antwort kann ich nur bieten, dass das aus jeweiligen Launen heraus so entstanden ist und derzeit komme ich eigentlich immer nur in einem Buch wirklich voran - aktuell eben in "Fausto".
Wie ist das bei euch? Lest ihr nur in einem Buch zur Zeit, oder habt ihr auch mehrere parallel angelesen, in denen ihr dann je nach Lust und Laune weiterschmökert?
Auch Momo hält eine umfangreiche Liste von Zitaten für uns bereit - und viel davon auf Englisch. Davon sollte ich mir mal ein Scheibchen abschneiden, mein Englisch rostet zu sehr ein...
Samstag, 14. Mai 2011
[Freitags-Füller] #5
1. Immer wenn ich traurig bin, trink' ich einen Korn (Lied von Heinz Erhardt). - "Immer wenn ich" löst bei mir genau diesen Ohrwurm aus...;-)
2. Tja, gestern war der Himmel noch hellblau. Heute ist er Regenwolken-verhangen. Aber der Natur tut es gut. Hört ihr, wie die Pflanzen lauthals "Danke" rufen?
3. Der ESC wird heute tatsächlich unser Fernsehprogramm - mal sehen, wie lange wir durchhalten, bevor wir doch auf den Simpsons-Marathon umsteigen. ;-)
4. Lange Ferien für alle.
5. Es überraschte mich negativ, dass Blogger solche Serverprobleme hatte und mir Kommentare sowie ein Beitrag hops gingen...
6. Überall dabei zu sein und mitzumischen, ist mir inzwischen nicht mehr so wichtig.
7. Was das Wochenende angeht, heute gestern Abend freue freute ich mich auf Thairobics, was dann allerdings ausfiel, morgen heute habe ich einfach mal nichts außer faulenzen, lesen und bloggen geplant und Sonntag möchte ich den Tag ebenfalls sehr ruhig und gemütlich verbringen, und nur ein bisschen die Vorlesungen der letzten Woche nacharbeiten.
Und was erwartet euch am Wochenende? Postet es doch einfach hier oder greift euch selbst den aktuellen Freitags-Füller.
[7/31-2] Fausto
Hihihi, das finde ich jetzt lustig. Stellte ich zu Frage 6 noch "Faust" vor, ist es nun "Fausto" (keine Sorge, Frage 8 ist nicht Fausto+x). Zwar lese ich ja in letzter Zeit immer mehrere Bücher parallel, aber aktuell bin ich in diesem Roman, den ich kleiner Glückspilz bei Libromanie gewonnen habe (freu-freu-freu), am aktivsten. Dieser Roman ist bei meinem prall gefüllten Stundenplan gerade genau das richtige - alles weitere dazu, wenn ich damit durch bin (vielleicht sogar noch an diesem WE? Mal sehen, wie weit ich mit Lesen komme). Das Buch hat 446 Seiten, von denen ich bisher 256 gelesen habe. Immer wieder lässt es mich sehr schmunzeln und ist einfach eine schöne Leseablenkung! Auch am Mittwoch habe ich sehr gegrinst, als ich in der Vorlesungspause darin schmökerte, und habe daher hier noch ein Zitat für euch, um es nicht bei der reinen Seitenanzahl zu belassen:
"Die Villa der Dörtings sah aus, als hätte man Draculas Ferienhaus mit einem Hochdruckreiniger bearbeitet und dann zartrosa angestrichen. Sie stand direkt am Wald. Ein hautfarbenes, zartes Türmchen ragte steil in den Nachthimmel und weckte unanständige Gedanken.Oliver Dierssen: Fausto. ISBN: 978-3-453-26001-6
Wenn Canan die fette Villa von Familie Dörting genauso superprotzig fand wie ich, dann ließ sie sich nichts davon anmerken.
Das Grundstück war von einem mehrfach mannshohen Schmiedeeisenzaun umgeben, der immer wieder von Steinsäulen unterbrochen wurde. Oben drauf hockten hässliche Tiere aus Gips. Düstere Friedhofstannen verdeckten die Sicht auf die Fenster im Erdgeschoss.
Wahnsinnige wohnten so. Oder wahnsinnig Reiche. Was sich nicht ausschloss."(Dierssen 2011: 235)
Und wie viele Seiten hat Momos aktuelles Lesefutter?
[Gewinnspiel] Serverprobleme bei Blogger - Fristverlängerung
Bezüglich des Gewinnspiels ist aber noch alles da, bzw. ich habe ja eure Mails! Aufgrund der Irritationen und Schwierigkeiten werde ich aber die Frist für das Gewinnspiel verlängern. Bis Mittwoch, 18.05.2011 16:00 Uhr habt ihr noch die Möglichkeit, eure Lose in den Lostopf zu werfen. Alle bisherigen Lose bleiben natürlich unverändert darin erhalten.
Donnerstag, 12. Mai 2011
[Offtopic] Leserschaft
In den letzten Wochen ist mein kleiner Bücherblog aufgeblüht, ich habe begonnen, viel regelmäßiger zu bloggen und mich mit anderen Blogs zu vernetzen. Bereits das macht mir eine große Freude. Noch viel mehr Freude bereitet es mir aber zu sehen, dass meine kleine Seite anscheinend auch Anklang findet - in den letzten Tagen ist die Anzahl meiner regelmäßigen Leser (siehe rechte Spalte etwas weiter unten) gestiegen und ich möchte jeden und jede Einzelne(n) von euch ganz herzlich hier begrüßen! Über euer Interesse freue ich mich sehr und hoffe, euch weiterhin euch ansprechende Inhalte zu bieten. Übrigens freue ich mich auch immer über eure Kommentare, seien es eure Meinungen zu den hier besprochenen Büchern oder zum Blog selbst.
Ursprünglich entstand mein Blog aus einer plötzlichen Laune heraus, nachdem ich innerhalb kürzester Zeit mehrere Bücher gelesen hatte, die ich so toll fand, dass ich sie nicht einfach unkommentiert ins Bücherregal stellen wollte. Es macht mir einfach Spaß, meine (natürlich rein subjektiven) Gedanken zu ihnen festzuhalten. Dass diese Worte nicht ungehört im leeren Raum verhallen, freut mich jedoch sehr!
Montag, 9. Mai 2011
[6/31-2] Faust
Tag 6 - Welches Buch sollte deiner Meinung nach jeder gelesen haben?Faust! Der Klassiker schlechthin von Johann Wolfgang Goethe (damals noch ohne "von") darf meines Erachtens in niemandes Bücherregal fehlen. Diese Tragödie bietet dem Leser alles: Eine tragische Liebesgeschichte, die Suche nach dem Sinn des Lebens, Pakte mit dem Teufel, eine Wette zwischen Gott und Belzebub, Zauberei, Komödie, Intrige, Romantik, Witz, ... Alles, was man von einer großen Geschichte erwarten kann, findet sich im ersten Teil von Goethes Lebenswerk.
Der Teufel Mephisto will Gott beweisen, dass seine Schöpfung nicht unfehlbar ist und schließt eine Wette mit ihm: Wenn es ihm gelingt, Faust auf seine Seite der irdischen, körperlichen Freuden zu ziehen, hat Mephisto recht behalten. Und so macht er sich auf dem Weg zu dem verbitterten, alten Wissenschaftler, der auch nach dem heiß bemühten Studium von ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, Und leider auch Theologie! nicht sagen kann, was die Welt im innersten zusammenhält. Da kommt ihm die Wette mit Mephisto gerade recht, verspricht sie doch Zerstreuung und Abwechslung. Zugleich will er dem armen Teufel beweisen, dass er ihm mit seinem Verstand überlegen ist. Und so zieht er mit Mephisto durch die Welt, sieht befremdet zu, wie Studenten in Auerbachs Keller feiern, lässt sich einer Verjüngungskur unterziehen, verliebt sich in das rechtschaffene Gretchen, feiert mit den Hexen auf dem Boxberg, ... und stürzt sein Mädchen ins Verderben - denn eine uneheliche Schwangerschaft ist zu dieser Zeit ganz einfach undenkbar...
Ich liebe, liebe, liiiieeeebe dieses Werk! Nicht nur, aber eben auch, weil ich zu meinen Schultheater-Zeiten den Faust gespielt, mit seinem Monolog im Studierzimmer mein mündliches Deutsch-Abi gerockt und in diesem Werk ganz einfach alles gefunden habe, was die Menschen bewegt.
Fazit: 5 Sterne (mit extra *)!
Johann Wolfgang Goethe: Faust. Der Tragödie erster Teil. ISBN: 978-3-15-000001-7
Ich entschuldige mich ganz öffentlich bei Momo, dass ich ihr mit diesem Post voraus eile, aber da die nächsten Tage bei mir extremst mit Uni und Arbeit gefüllt sind, wird sie die nächsten Punkte sicherlich schnell wieder aufholen... Seien wir also gespannt, was Momo euch als Buch empfiehlt, dass man ihrer Meinung nach auf jeden Fall gelesen haben muss!
Sonntag, 8. Mai 2011
[5/31-2] Genre-Fragen
Diese Frage kann ich wirklich nicht beantworten, da ich Bücher selten unter einem Genre-Aspekt lese. Euch ist wahrscheinlich auch aufgefallen, dass ich eher selten eine der gängigen Genre-Bezeichnungen als Tags verwende... Mich interessiert einfach die Geschichte zwischen den Buchdeckeln, was sie mir persönlich mitteilt, ob sie mich mitfiebern lässt und auf eine phantasievolle Reise mitnimmt, ob sie neue Informationen für mich bereit hält, kurz: Ob sie mir gefällt und mich in diesem speziellen Moment dran bleiben lässt. Manchmal empfindet man ja bestimmte Bücher auch als starken Tobak, obwohl ihre Autoren das gar nicht beabsichtigt hatten, einfach weil man in einer bestimmten Lebensphase steckt.
Und das alles ist nicht nur Urlaubs-abhängig. Aber vielleicht liegt das auch daran, dass ich schon seit Jahren keinen Urlaub mehr gemacht habe? Tja. Wer weiß... - Tut mir leid, auch heute keine Festlegung.
Schauen wir doch mal, wie Momo das sieht.
Samstag, 7. Mai 2011
[Gewinnspiel] Die Nächste bitte
Ihr könnt den brandneuen Roman von Mia Morgowski: "Die Nächste bitte. Ein Arzt-Roman" gewinnen. Zum Inhalt könnt ihr hier nähere Informationen finden.Bis Samstag, 14.05.2011 12:00 Uhr könnt ihr in den Los-Topf wandern, anschließend lasse ich meinen Lieblingsmenschen den Gewinner ziehen. (Ja, ich mache das noch ganz altmodisch mit Zettelchen in der Lostrommel...)
Und wie kommt ihr in den Los-Topf?
- Hinterlasst einen Kommentar zu diesem Beitrag, in dem ihr von eurem lustigsten Reise-Erlebnis berichtet (es muss natürlich nicht ausschließlich mit Flugzeugen zu tun haben). Für den Kommentar erhaltet ihr 1 Los.
- Wer das Gewinnspiel auf seinem Blog ankündigt, kann ein zusätzliches Los ergattern. Ihr habt also bis zu zwei Gewinnchancen pro Person.
Und nun: Viel Glück! :-)
Achtung, aufgrund der Serverprobleme bei Blogger wird die Teilnahmefrist verlängert: Mittwoch, 18.05.2011 16:00 Uhr ist der aktualisierte Teilnahmeschluss.
Die Nächste bitte. Ein Arzt-Roman
Wie bereits angekündigt, wagte ich dank Vorablesen den Ausflug in ein Genre, dass ich sonst eher selten lese. Aber nachdem ich die Leseprobe irgendwie ganz süß fand, ließ ich mein Los im Topf und gewann tatsächlich die druckfrische Ausgabe des brandneuen Romans von Mia Morgowski.Der Inhalt ist schnell umrissen: Nella hat Flugangst. Das hindert sich aber nicht daran, sich ein Flugticket nach Genf zu kaufen, um dort ihren Freund Leo für ein Wochenende zu besuchen. Nur muss jetzt ganz schnell noch etwas gegen ihre Flugangst her, also wendet sie sich vertrauensvoll an ihren Hausarzt Dr. Rosen.
Allerdings landet sie nicht bei ihm selbst, sondern bei dessen Sohn Paul. Eigentlich interessiert Paul sich nicht für die Allgemeinmedizin - schon gar nicht in der Hausarzt-Praxis seines Vaters in Hamburg. Er will Schönheitschirurg werden. Und er hat auch schon ein tolles Jobangebot an der Hand: Prof. Schümli aus Genf sucht einen Partner für seine neue Tages-Klinik im Herzen der Stadt. Der einzige Haken: Partner kann nur werden, wer verheiratet ist, damit es in der neuen Klinik, die hauptsächlich von Frauen aufgesucht wird, nicht zu Schwierigkeiten kommt.
Nachdem Paul bereits oft die Erfahrung machen musste, dass Frauen nicht aufgrund echter Beschwerden zu ihm in die Sprechstunde kommen, sondern um sich ihm anzubiedern, nimmt er auch Nellas Beschwerden nicht ernst und verschreibt ihr ein Placebo. Und schon nimmt das Verhängnis seinen Lauf: Die beiden sitzen natürlich im selben Flugzeug nach Genf und die Tropfen wirken nicht. Da muss schon der einzige Arzt an Bord zur Hilfe eilen, um Nella vor dem Tod durch Ersticken zu retten... Tja, und dann hat Leo sie auch noch versetzt, alles Mist. Da trifft es sich doch irgendwie ganz gut, dass Prof. Schümli Nella für Pauls Frau hält, oder?
Eine zwar reichlich konstruierte Geschichte, die zugleich an manchen Stellen so absurd daher kommt, dass sie schon wieder ganz aus dem Leben gegriffen sein könnte. Und die Situationskomik, in der die Handlung geschildert wird, lässt häufig schmunzeln. Was mir bereits in der Leseprobe sehr gut gefiel, ist die Tatsache, dass die Geschichte nicht nur aus Nellas, sondern auch aus Pauls Perspektive geschildert wird und so erfahren wir eine Woche lang beider Gedankengänge. Zugleich liegt hier in meinen Augen aber auch eine erzählerische Schwäche: Ich hätte es schön gefunden, wenn auch ein gewisser sprachlicher Unterschied auszumachen wäre, doch beide Protagonisten schildern ihre Sicht der Dinge im gleichen Duktus. Was wiederum sehr schön zu lesen war, waren die unterschiedlichen Auffassungen ein- und derselben Situation, was zu herrlichen Missverständnissen führen kann. Doch nicht nur darin liegt die Schwierigkeit für Paul und Nella: Natürlich entpuppt sich ihre Lügengeschichte als immer größer werdenes Chaos, das sie selbst kaum noch überblicken können. Das kann nur Verwirrung bei allen Beteiligten stiften, erst recht als Pauls Plan von ganz ungeahnter Seite durchkreuzt wird...
Alles in allem eine solide Geschichte, die im genau richtigen Tempo mit reichlich Witz geschrieben ist. Ein Roman, der sich ganz gemütlich wegschmökern lässt, für den kleinen Lesehunger zwischendurch.
Fazit: 3 Sterne!
Mia Morgowski: Die Nächste bitte - Ein Arzt-Roman. ISBN: 978-3-499-25637-0
Freitag, 6. Mai 2011
[4/31-2] Bibliophilie
So etwas fragt man eine kleine Leseratte, die seit sie sich erinnern kann immer und immer wieder von diesem oder jenem Buch gefesselt wurde... Wie soll ich mich da erinnern? Mal ganz im Ernst: Könnt ihr euch ernsthaft noch an das allererste Mal erinnern, dass euch ein Buch gefesselt hat, also, welches Buch dies war? Ich nicht. Und das hat einen ganz einfachen Grund: Ich konnte und durfte schon sehr früh sehr viele tolle Bücher lesen, die mal mehr, mal weniger fesselnd waren, aber jedes auf seine Weise einzigartig. Letztendlich gibt es ja auch meinen Blog nur deswegen, weil ich so viele tolle Bücher gelesen habe, dass ich ihnen ihren eigenen Raum geben möchte...
Ich kann euch ehrlich nicht sagen, welches nun das erste Buch war, das mich fesselte. Ich erinnere mich dafür aber gerade mitreißend lebhaft an viele, lange Stunden in der Bücherei in meinem Heimatort (derjenige, an dem ich am längsten als Kind verweilen durfte) und in der Stadtbibliothek der nächstgelegenen Kreisstadt. Dieser Geruch von Büchern, die lauernden Schätze in verwinkelten Regalen, die Stapel von Romanen, die ich damals wöchentlich aus der Bücherei schleppte, um sie nachts heimlich mit der Taschenlampe unter der Bettdecke zu lesen, wenn meine all-abendliche Lesezeit schon verstrichen war, die zahlreichen Fragen an meine Eltern, was dieses oder jenes Wort bedeutet, die Lesenachmittage in der Bücherei, oder zu Hause bei Mama im Arm, ... Nein, ehrlich, mich haben Bücher schon immer gefesselt, so lange ich denken kann. Und deswegen gibt es unter diesem Punkt an dieser Stelle von mir keine Titel-Nennung, sondern nur das Bekenntnis: Ich habe Bücher geliebt. Ich liebe Bücher. Ich werde Bücher immer lieben.
Und was sagt Momo zu diesem Thema?
[Freitags-Füller] #4
2. In den nächsten Tagen soll wohl tatsächlich meine Bestellung beim Online-Gartenversand eintrudeln, dann geht's endlich los mit der Balkonbegrünung - Kräuter, Gemüse und Sommerblumen
3. Menschen mit im Urlaub beneide ich ja schon ein bisschen.
4. Wie das noch weiter gehen soll, wenn jetzt Bauern auf den Misserfolg ihrer Ernte spekulieren, um über Börsengewinne mögliche Ernteausfälle auszugleichen, will ich gar nicht wissen. (Info siehe hier)
5. Hallo, mein Name ist Kalliope und ich bin bibliophil. (Klingt irgendwie nach Selbsthilfegruppe...)
6. Ein ausgiebiges Frühstück, das wär' jetzt genau das richtige. (Darum mach' ich das jetzt auch.)
7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf meinen Lieblingsmenschen, morgen habe ich die Wiederholung der Inhalte aus der vergangenen Vorlesungswoche und ein teuflisches Spargelessen geplant und Sonntag möchte ich ausschlafen, gemütlich lesen - und je nach Muße ein bisschen was für die Uni tun.
Und was erwartet euch am Wochenende? Postet es doch einfach hier oder greift euch selbst den aktuellen Freitags-Füller.
Donnerstag, 5. Mai 2011
[3/31-2] Ruhe nirgends
Ach, es gibt so viele Bücher, die mich auf ihre ganz eigene Weise beeindruckt haben - und sie alle sollen ja schließlich auf meinem kleinen Blog ihren Raum finden, inkl. der Begründung, was mich eigentlich beeindruckt hat. Aber, mir fällt dennoch ein Titel ein, den ich hier bisher noch nicht rezensiert habe:
Seit einigen Monaten stricke ich mehr oder weniger regelmäßig, vorzugsweise sind es Babysöckchen, Wichtelmützchen, oder Ähnliches, da momentan so viele meiner Bekannten Kinder bekommen. Zwischendurch strickte ich mir auch selbst eine Mütze, nachdem ich meine alte nach einem Feierabendbierchen zu viel in einer Kneipe vergessen hatte. Warum erzähle ich euch das? Nun, essentielles Werkzeug beim Stricken ist ja, nebst Stricknadeln, das Garn. Da gibt es unzählige Varianten und Farben, doch eines haben sie gemeinsam: Wenn man das Garn in einem geringen Abstand mit beiden Händen hält und die Hände dann zueinander führt, zeigt der Faden, dass er aus mehreren Einzelfäden besteht. Das macht das Stricken nicht immer ganz einfach, wenn sich einer dieser Einzelstränge mal wieder in der falschen Masche verliert.
Ein bisschen ist William Gays Roman "Ruhe nirgends" wie mein Strickgarn. Prinzipiell habe ich einen Faden - bei Büchern nennt man ihn ja gern den roten - aber wenn ich nicht genau aufpasse, dann dröselt er sich in seine Einzelfäden auf und ich habe ein ganzes Stück Arbeit, diese wieder zu einem Faden zusammenzuzwirbeln, und einzelne Fäden nicht in die falsche Masche einzustricken, wodurch das Gesamtmuster einen kleinen Fehler bekäme... Und noch eine Herausforderung bietet dieser Roman: Er besteht aus zwei Büchern (nennen wir sie Über-Kapitel), die prinzipiell in einem "Rutsch" die Geschichte des Romans erzählen, doch etwas ist anders im ersten Teil. Kennt ihr das, wenn ihr zwei Gegenstände vor euch seht, aber euren Blick nur auf einen davon scharf stellen könnt? Irgendwie las sich der erste Teil dieses Romans so, als ob ich Gegenstand A fixiere, aber das eigentlich wichtige Gegenstand B ist, den ich jedoch nur im Augenwinkel wahrnehme und in seinen Umrissen erkenne...
Doch das war eine lange Vorrede, ohne etwas zum Inhalt zu sagen: Worum geht es überhaupt? Im Jahr 1933 erschießt der Farmer Hardin seinen Nachbarn Winer. Und das aus einem ganz banalen Grund: Winer ist dahinter gekommen, dass Hardin illegal Schnaps brennt. Natürlich macht er das nicht auf seinem eigenen Besitz, sondern legt verschiedene Destillen auf den Grundstücken seiner Nachbarn an - dazu gehört auch Winer, der ihm jedoch auf die Schliche kommt und ihn zur Rede stellen will, was tödlich für ihn ausgeht. Hardin versenkt seine Leiche kurzerhand in einem ungenutzten Brunnen, der so tief ist, dass der Aufprall der Leiche am Boden schon gar nicht mehr zu hören ist.Zehn Jahre später geht die Handlung weiter. Winers Sohn ist mittlerweile alt genug, für sich und seine Mutter finanziell aufzukommen. Er verdingt seine Arbeitskraft über allerlei Hilfsarbeiten. Und schließlich wird er bei Hardin angestellt, der mittlerweile nicht nur so erfolgreich seinen Whiskey verkauft, dass er eine eigene Spelunke errichten will, sondern sich mittlerweile mit dem ortsansässigen Hilfs-Sheriff so gut gestellt hat, dass ihm ob seiner kriminellen Machenschaften niemand an den Karren fahren kann. Überhaupt verbreitet Hardin Angst und Schrecken im Ort.
"Hardin lebte in einer Welt, die er Tag für Tag manipulierte, man konnte nie wissen, wann sich eine Information als nützlich erweisen würde. Das Leben war ein Puzzle, das jemand am Tag von Hardins Geburt auseinandergetreten hatte, und er selbst setzte die Teile jetzt immer noch Stück für Stück zusammen und hielt jedes einzelne hierhin und dorthin, um zu sehen, wo es passte."Das Pikante daran: Hardin selbst ist eigentlich nur der Handlanger auf der Farm von Hovington, der aufgrund einer Rücken-Fehlstellung nicht mehr arbeiten kann und schließlich abnorm gekrümmt dahin siecht, während Hardin sich mehr und mehr in seinem Zuhause breit macht und kurzerhand zum neuen Familienoberhaupt avanciert. Spätestens nach Hovingtons Tod kann Hardin schalten und walten, wie es ihm beliebt. Und dabei lästert er immer über Menschen wie Hovington, die kein Rückgrat besitzen und sich von anderen vorschreiben lassen, was sie zu tun und zu lassen haben - welch traurige Ironie, dass Hovington ob seiner massiven Rückenverkrümmung schließlich tatenlos ans Bett gefesselt war...(Gay 2010: 120)
Und nun haben wir Winers Sohn, der weiß, wie kriminell Hardin ist. Er schwört sich, einfach nur jeden Freitag seinen Lohn zu kassieren und sich sonst nicht weiter in Hardins Geschäfte einzumischen. Er weiß ja nicht, dass Hardin seinen Vater getötet hatte - er ist jedoch als einziger im Ort davon überzeugt, dass sein Vater eben nicht wortlos abgehauen ist, sondern vermutet kriminelle Machenschaften hinter seinem Verschwinden, während seine Mutter gegen ihren Mann hetzt, der wutentbrannt das Haus verließ und niemals wiederkehrte.
Nach einem beinahe biblischen Regenguss wird der Schädel von Winers Leiche schließlich an die Oberfläche gespült. William Tell Oliver findet ihn - er weiß sogleich, was er von diesem Fund zu halten hat. Und er weiß, dass ihm dieses Wissen einmal noch von Nutzen sein wird... Bis dahin versucht er aber einfach nur, den jungen Winer nach Kräften zu unterstützen, denn er ist der erste Mensch seit Jahrzehnten, der ihm im Leben wichtig ist, nachdem seine Frau verstarb und er allein und ruhelos zurückblieb.
Letztendlich ist es Olivers Suche nach Ruhe, die diesem Roman seinen Namen gab - so würde ich zumindest vermuten. Man muss schon eine große Portion an Neugier mit sich bringen, über den ersten Teil des Buches am Ball zu bleiben, der so unscharf seine Kulisse beschreibt. Doch die Geschehnisse von 1933 im Hinterkopf weiß man, dass dieser Roman nicht konfliktfrei enden kann. Erst recht nicht, als sich Winer in Hovingtons Tochter verliebt, für die Hardin jedoch ganz andere Pläne schmiedet...
Und während Hardin den Ort in seinem Bann hält, ist es eigentlich Oliver, der die geheime Hauptrolle in diesem Roman spielt. Davon lenkt die Handlung jedoch wieder und wieder ab: Selbst im letzten Drittel werden noch neue Personen eingeführt, und für mich war es nicht immer einfach, diese gleich an ihren Platz im Gefüge einzuordnen - insbesondere, weil so viele der Namen mit "H" begannen, was ich für eine unglückliche Wahl halte... Erst ganz zum Ende hin spitzt sich die Handlung dann zu ihrem dramatischen Ende hin zu und die Spirale fokussiert Oliver. Eine Wendung, mit der ich nicht gerechnet hätte und die im Originaltitel "The Long Home" viel treffender zum Ausdruck kommt.
Alles in allem ein Roman, wie ich ihn noch nie in seiner Art in den Händen hielt. Eine düstere Geschichte, die einen verstörenden Blick auf eine ländliche Gegend voller Hoffnungslosigkeit, Tristesse und Selbstjustiz wirft. Eine Spirale, die in unglaublich weiten Bögen ihre Radien spannt, bis sie im letzten Drittel ihren Mittelpunkt forciert. Ein Roman, der seinem Leser nicht nur Konzentration, sondern auch Geduld abverlangt. Ein Krimi, der völlig untypisch ist und trotz aller drastischen Schilderungen von physischer Gewalt den Fokus auf eine ganz andere Form der Grausamkeit legt.
Ich bleibe tief berührt zurück, allerdings auf eine bitter-süße Art und Weise...
Fazit: 5 Sterne!
William Gay: Ruhe nirgends. ISBN: 978-3-7160-2635-9
(Diese Rezension erschien zuerst als Gastrezension bei Seitenweise...)
Auch Momo fiel es nicht so leicht, zu nennen, welches Buch sie zuletzt besonders beeindruckt hat...
Dienstag, 3. Mai 2011
[2/31-2] Die Nächste, bitte. Ein Arzt-Roman

Das wird wohl ein Ausflug in ein Genre, das ich sonst sehr selten lese. Vor kurzem habe ich von Vorablesen die Mitteilung erhalten, dass ich bei der Verlosung von "Die Nächste, bitte. Ein Arzt-Roman" aus dem Lostopf gezogen wurde und in Kürze den Roman von Mia Morgowski erhalte, um ihn zeitnah nach seiner Veröffentlichung lesen und rezensieren zu können. Ich bin nicht gerade ein Fan von Frauen-Romanen, aber diese Leseprobe fand ich ganz niedlich. Es geht um den jungen Arzt Dr. Rosen, der - geht es nach seinem Vater - die elterliche Praxis übernehmen soll, aber eigentlich von der großen Karriere als Schönheits-Chirurg in der Schweiz träumt und dort auch in Kürze ein Vorstellungsgespräch haben wird. Auf der anderen Seite haben wir Nella, die ganz dringend Tabletten gegen Reiseübelkeit braucht, weil sie in Kürze - wer hätte es gedacht - in die Schweiz fliegen muss. Es kommt, wie es kommen muss, die beiden beginnen ein Katz-und-Maus-Spiel, Nella findet Dr. Rosen zwar attraktiv, aber auch unverschämt; Dr. Rosen nutzt Stella schließlich als Alibi und stellt sie als seine Frau vor, um beim biederen Professor Schümli in der Schweiz eine Begleitung vorweisen zu können.
Warum mich die Leseprobe aber doch gereizt hat, ist die Tatsache, dass die Schilderungen abwechselnd aus beiden Perspektiven erfolgen. Dass so auch mal "in den Männerkopf geschaut" wird, hebt das Buch von sonstigen Frauenromanen ab, in denen die Protagonistin die ganze Zeit hin und her gerissen die Handlung schildert. Dass wir hier auch die Gedanken von Dr. Rosen kennenlernen, finde ich gut. Ansonsten wahrscheinlich das Übliche: Über Irrungen und Wirrungen wird aus den beiden ein Paar. Lässt sich so zumindest vermuten. Aber dafür ist es abwechslungsreich und witzig erzählt und somit sicherlich ein Buch, dass sich mal ganz gemütlich nebenher lesen lässt. Ich bin gespannt, wann es im Briefkasten liegt. Sonst werde ich nämlich ein anderes Buch lesen, da "Ruhe nirgends" nicht mehr viele Seiten anhält...
Seht hier, was Momo als nächstes lesen wird.
Mia Morgowski: Die Nächste, bitte. Ein Arzt-Roman. ISBN: 978-3-4992-5637-0